Der Ver(un)sicherer
Erfolgreiche Einweg-Kommunikation

Das neue Lebensversicherungsgesetz will Provisionen bei Policen offenlegen – die deutsche Versicherungswirtschaft ist alarmiert. Mit dem Gesetzestext wirklich auseinandersetzen will sich der Verband GDV dennoch nicht.
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Wenn Sie in Berlin unterwegs sind und die Wilhelmstrasse entlang gehen, dann können Sie mit etwas Glück Augenzeuge eines spannenden Schauspiels werden. Besonders dann, wenn Sie an der Kreuzung Leipziger Straße in die Fenster des Bürogebäudes an der nordöstlichen Ecke der Kreuzung gucken. Denn just dort residiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, der GDV. Und was noch wichtiger ist: An der südwestlichen Ecke ist das Bundesfinanzministerium. Und von den Räumen des Lobbyverbands der Versicherungsindustrie hat man wohl einen guten Blick auf das Ministerium von Herrn Schäuble.

Regelmäßig lädt das Finanzministerium Journalisten zu einer Pressekonferenz ein. Das ist ein üblicher Vorgang und provoziert kein besonderes Gebaren in den Räumlichkeiten des GDV. Anders aber vor ungefähr zwei Wochen. Da war schon im Vorfeld bekannt, dass im Finanzministerium einigen Journalisten der Entwurf für das neue Lebensversicherungsgesetz vorgestellt werden sollte. Und urplötzlich waren die Fensterplätze im GDV ganz besonders begehrt. Der im Haus zuständige Geschäftsführer für Kommunikation nutze die Gunst der Stunde (und die Gunst der geographischen Lage gegenüber dem Ministerium) und konnte so erkennen, welche Journalisten zu der Pressekonferenz gingen und welche nicht.

Und so gelang es der Versicherungslobby schon sehr schnell und zügig, die Presse mit eigenen Statements zu versorgen und dazu auch ganz gezielt einzelne Journalisten anzusprechen. Selbstverständlich ein echter Vorteil für eine erfolgreiche Pressearbeit. Verbände, die in der Rudi-Dutschke-Straße sitzen oder gar in einem ganz anderen Ort (etwa in Henstedt-Ulzburg), haben keinen so guten Blick auf das Finanzministerium. Da ist die Vorlaufzeit für eine Reaktion etwas länger. Nicht jeder hat halt den ungehinderten Blick auf das Ministerium.

So zumindest die Darstellung des GDV, wenn es darum geht, mit Stolz die Pressearbeit rund um das Gesetzt zu beschreiben. Dieses Gesetzesvorhaben ist in den Augen dieses Sprechers des Lobbyverbandes ohnehin ein gutes Beispiel für eine „gelungene politische Kommunikation“.

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GDV „warnt“ vor Offenlegung der Provisionen

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