Der Ver(un)sicherer
Wenn sich Versicherer den gelben Zettel holen…

Angeblich geht es den Versicherern schlecht. Die Branche barmt um Linderung von den Plagen des Zinstiefs bei der Politik. Mit diesem Krisengerede wird ein erneuter Angriff auf die Kundengelder vorbereitet.
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Jeder Arbeitgeber kennt das Phänomen vom Hörensagen. Manchmal soll es Kollegen geben, die besonders montags oder nach Betriebsfesten akut erkranken, zum Arzt gehen und sich einen „gelben Zettel“ holen.

Diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhält dann der Arbeitgeber und durch die Krankmeldung ist der Kollege von der Pflicht befreit, seiner Arbeitsleistung nachzugehen. Wenn dieser Kollege sich tatsächlich aber nur etwas schlecht fühlt oder von der Betriebsfeier noch etwas derangiert ist, dann kann es sein, dass das Mittel des „gelben Zettels“ ein wenig überspannt oder gar missbraucht wird.

Der Herbst ist selbstverständlich die gefährlichste Jahreszeit für akute Erkrankungen. Erkältungen oder gar die Grippe haben es auf unsere Arbeitsleistung abgesehen. Was aber als neuer Trend zu beobachten ist: Auch die Lebensversicherer scheinen eine Art „Gelbe-Zettel-Grippe“ zu bekommen.

Letztes Jahr war es schon einmal so weit und auch dieses Jahr zeichnet sich ab, dass die Bafin Bereitschaft signalisiert einen „gelben Zettel“ auszustellen und die Versicherer von einigen ihrer Pflichten zu entbinden.

Wir erinnern uns an den Herbst 2012. Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Beteiligung an den Bewertungsreserven hört man das erste Husten und Keuchen der Lebensversicherer. Auch das Handelsblatt stellt die erste Laiendiagnose: Die deutschen Lebensversicherer sind am Schwächeln! Wenn die Niedrigzinsphase noch ein halbes Jahrzehnt anhält, dann bekommen ein paar Versicherer ernste Probleme! Zumindest eine Erkältung liegt offenbar vor.

Auch die Politik greift vor einem Jahr das Krisenszenario auf. Es ist die Rede von „Sonderregeln“, die das Finanzministerium (natürlich in Absprache mit der Bafin) erlassen will, um die ach-so-gebeutelten Versicherer zu stützen. Der Garantiezins wird in Frage gestellt.

Und natürlich ist man sich schon ziemlich einig, dass die Kürzung der Beteiligung an den Bewertungsreserven unbedingt zu erfolgen hat. Aufsichtsbehörde und Politik sind bereits im Herbst 2012 kurz davor den „gelben Zettel“ auszustellen und den Versicherern einen größeren Spielraum zu geben.

Der Lobbyverband GDV hält sich stark zurück und lässt das Krisengerede laufen ohne sich ernsthaft dagegen zu wehren. Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß, bei den Politikern noch größer. Einzig der Bund der Versicherten erklärt, dass es keine ernsthaften Gefahren für die Lebensversicherer gibt, dass keine Pleiten bevorstehen und dass es nur die Kunden sind, die leiden werden, weil die Überschüsse noch weiter gekürzt werden. Das war der Herbst 2012.

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Gelitten haben nur die Kunden

Kommentare zu " Der Ver(un)sicherer: Wenn sich Versicherer den gelben Zettel holen…"

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  • Bei Lebensversicherungen hat man Verluste, kann sich aber irgendwann nach Auszahlung davon verabschieden.
    Bei der privaten Krankenversicherung allerdings ist es schlimmer. Da soll der Versicherte ab einem bestimmten Alter sämtliche Zechen zahlen, ohne Aussicht auf Ausstieg. Einzige
    Möglichkeit ist kündigen mit Totalverlust oder man gibt sich die Kugel.
    Hoffentlich durchschaut die Politik den Griff der Versicherer zum gelben Zettel, und gibt denen die rote Karte.
    Man muss doch unterscheiden, macht man eine Versicherung freiwillig oder Zwangsweise.

  • Wenn es doch nur simpel wäre. Leider sagen die gesetzlichen Vorschriften etwas anderes.

  • Zitat:
    Um die vorzeitigen Vertragsbeender bedienen zu können, müssen langfristige Kapitalanlagen, die noch aus Hochzinsphasen stammen, aufgelöst werden.
    Zitat Ende.

    Das ist doch nur Panikmache, die Versicherer erhalten jeden Monat Millarden an Einzahlungen, davon kann man ein paar Millionen für die Vertragsbeender nehmen. Die Neu-Einsteiger Profitieren dann von den Hochzins-Anlagen der Beender, die nicht verkauft werden müssen.

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