Dutschke spricht
Eine Frage der Extreme

Nach einer Provokationsspitze der Grünen Jugend hat sich die Erika Steinbach empört – und kramt erzkonservative Vorurteile heraus. Für den Parteinachwuchs gehört das zum Handwerk. Der Erfolg gibt den jungen Grünen Recht.
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Die Osterferien sind endlich vorbei. Der Wahlkampf kann nun ernsthaft beginnen. Jetzt ist Schluss mit lustig. Die CDU-Abgeordnete Erika Steinbach eröffnete gleich am 3. April ein unerwartetes Gefecht und bediente sich dabei der uralten Trickkiste konservativer Rhetorik.

In einer Pressemitteilung rückte sie die Grünen in die Nähe der RAF, der Roten Brigaden und des gewaltbereiten „Schwarzen Block“. Ein Hinweis auf den „Subcommandante“ der Straßenschlägerbande „Putztruppe“, Joseph Martin Fischer (Straßenname „Joschka“) durfte natürlich auch nicht fehlen.

Herrje, in welchem Jahr leben wir eigentlich? Ob es auch wieder eine Rote-Socken-Kampagne geben wird? Frau Steinbach lässt sich vom schnöden Zeitgeist natürlich nicht beirren und kämpft stur und starr den Kampf der letzten Erzkonservativen.

Den großen öffentlichen Aufschrei hat Frau Steinbach leider nicht erreicht. Dabei sei die Gefahr doch akut und offensichtlich: Die Grüne Jugend hatte gemeinsam mit der Jugendorganisation der Linkspartei am 1. April eine Kampagne mit dem Motto „Ich bin linksextrem“ initiiert, um die Unzulänglichkeiten des Verfassungsschutzes anzuprangern. Frau Steinbach blieb die ironisch gemeinte Überspitzung dieses Aprilscherzes verborgen, so dass sie umgehend von der Grünen Partei forderte, sich von ihrer Jugendorganisation loszusagen.

Natürlich arbeiten Jugendorganisationen der Parteien mit deutlich unorthodoxeren Methoden als die eigentlichen Parteien. Die Jugend reibt sich eben immer gern an den Älteren und ihren verstaubten Ansichten. Manche Kämpfe müssen wieder und wieder gefochten werden.

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Gute Nachwuchsarbeit

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  • >>Die Grüne Jugend hatte gemeinsam mit der Jugendorganisation der Linkspartei am 1. April eine Kampagne mit dem Motto „Ich bin linksextrem“ initiiert, um die Unzulänglichkeiten des Verfassungsschutzes anzuprangern. Frau Steinbach blieb die ironisch gemeinte Überspitzung dieses Aprilscherzes verborgen, so dass sie umgehend von der Grünen Partei forderte, sich von ihrer Jugendorganisation loszusagen. <<


    Sinn dieser Kampagne war es doch gerade die bloße Existenz von "Linksextremismus" generell zu bestreiten, bzw. die Ansichten und Gruppierungen, etwa der "schwarze Block" die generell als linksextrem bezeichnet werden zu legitimieren.
    Wenn die Grüne Jugend und die Linksjugend erklären "Ich bin linksextrem", dann ist das keine bloß ironische Aussage.

    Aber das ist nicht nur die einzige Annäherungspunkt der Grünen Jugend zum politischen Extremismus. So demonstrieren Grüne Jugend regelmäßig zusammen mit gewalttätigen Extremisten:

    >>Es ist ja nicht etwa so, dass man sich des Beifalls und der Unterstützung von der falschen Seite nicht erwehren könnte, und dass jeder, der eine Anti-Nazi-Demonstration anmeldet, sich automatisch und gezwungenermaßen, gleichsam zähneknirschend die zweifelhafte Unterstützung von Autonomen (und deren Randale) gefallen lassen müsste. Ich komme schließlich selber von der politischen Linken, und ich kann mich deutlich erinnern, dass es Anfang der achtziger Jahre bei den Demonstrationen gegen die Nachrüstung sehr wohl möglich war, Randalierer in Schach zu halten; natürlich musste man das vorher absprechen und üben. Wenn SPD, Grüne, Linke und sonstige angeblich demokratische Organisationen dies heute nicht mehr tun, obwohl ihnen klar sein muss, dass ihre Demos dadurch praktisch Einladungen zum Krawall darstellen, dann heißt das, dass sie es nicht wollen!<<

    http://korrektheiten.com/2009/09/12/gegen-nazis/

  • .. ja, überflüssig - zeigt aber dennoch die eklatante Verschiebung der tektonischen Platten im politischen Betrieb aufgrund des gefrässigen linken Zeitgeists: ich hatte mich ja schon zu Zeiten des "Rock gegen Rechts" darüber echauviert, wie hier ein legitimes Meinungsspektrum in links-diktatorischer Weise kriminalisiert wird .. seitdem ja immer das alte Rezept: unliebsame Meinungen durch das "rechte" Totschlagargument zu unterdrücken. Man hat sich ja schon lange nicht mehr die Zeit genommen, zwischen rechts und ~extrem zu unterscheiden - und genau das will man nun auch im linken Spektrum propagieren: natürlich im gegenteiligen Sinne! Linksruck per Excelence: rechts durch Subsumierung mit "rechts-EXTREM" mundtot machen - und "links-EXTREM" dafür salonfähig. Natürlich ist die charakterlose Bourgeosie'mal wieder ein genügsames Opfer dieser linken Verbrecherbande - wird sich natürlich niemand finden, um eine "ich bin rechts-extrem"-Kampagne gegenzuschalten ... würde es doch im gleichgeschalteten linken Unterdrückerstaat einem politischen Selbstmord gleichkommen! Da ich nicht rechts bin, kann ich an dieser Stelle auch nur skandieren: ich bin EXTREM liberal!

  • Habe lange überlegt, ob ich wirklich was hierzu schreiben soll.
    Aber es stellt sich die Frage, wen interessiert das überhaupt, was von beiden Seiten vorgestrig ist?

    H.

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