Kleinleins Klartext
Die falschen Dogmen der Altersvorsorge

Versicherer halten sich für die Experten der Altersvorsorge. Kritik an schlechten Produkten wird oft pauschal niedergemacht. Dabei ist das zentrale Selbstverständnis der Assekuranz, das nur sie Vorsorge können, falsch.
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Es gibt in den Kommentaren meiner Kolumne schon eine Art Ritual. Wenn ich die aktuellen Angebote der Versicherer kommentiere oder ansonsten auf die Unzulänglichkeiten der Altersvorsorgeprodukte eingehe, dann wird mir immer ein Vorwurf gemacht: Kritisieren sei ja einfach, aber konstruktive Lösungsvorschläge vermisse man bei den Verbraucherschützern immer wieder.

Auch viele andere Kollegen aus dem Verbraucherschutz bekommen das wiederholt zu hören. Anstatt immer nur zu meckern, solle man doch endlich die Verantwortung der Versicherer würdigen, dank derer die Bürger wenigstens ein bisschen Altersvorsorge betreiben würden. Und diese gesellschaftspolitische Aufgabe würde der Verbraucherschutz nicht nur behindern, sondern sogar torpedieren.

Was viele bei dieser Kritik erst einmal verkennen: Das Kritisieren ist gar nicht so einfach. Und es macht auch nicht immer nur Spaß. Wenn man sich etwa mit den neuen Angeboten der Platzhirsche der Branche beschäftigt, dann muss man sich durch viel Papierkram kämpfen.

Sind die Unterlagen zumindest teilweise verständlich, dann ist das etwas einfacher, wie etwa bei dem neuen Angebot der Ergo. Oder aber das Kleingedruckte ist sehr schwer verdaulich und ich verstehe es überhaupt erst nach fachlicher Diskussion mit dem Aktuariat, wie bei der neuen „Perspektive“ der Allianz. Aber das Studium dieses Papierwustes gehört nun mal zum Job dazu, wenn man diese neuen Produkte kritisieren möchte.

Fundierte Kritik zu üben ist also nicht gerade so erquickend wie ein Sommerspaziergang. Und das gilt erst recht, wenn man dann auch größere Entwicklungen beleuchtet, wenn ich etwa Sterbetafeln diskutiere, wir uns mit der „Riester-Rente-an-sich“ beschäftigen oder aber Kollegen mit Hilfe eines Ampelschemas endlich verständliche Wegweiser durch den Angebotsdschungel geben wollen.

Auch die „Kritik an der Kritik“, dass Verbraucherschützer keine konstruktiven Gegenvorschläge machen würden, ist etwas kurz gesprungen. Ein von der Branche akzeptierter Gegenentwurf müsste die Produktentwicklung der Versicherer bereichern. Aber es ist ja gerade notwendig, eine Distanz zu den Produktenwicklern zu haben, um dann die Angebote analysieren zu können. Und was noch wichtiger ist: Nur wer auch eine genügend große Distanz zum Selbstverständnis der Branche hat, kann dieser Branche den Spiegel vorhalten. Und dieses Selbstverständnis hat es in sich!

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Die falschen Dogmen der Altersvorsorge"

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  • Es ist schon traurig, das ein Mann wie Kleinlein hier ungestraft sein Inkompetenz verbreiten darf.
    Was ist den seine Qualifikation? Ein Blick in Wikipedia hilft da schnell weiter:
    Nur weil er 2 Jahre bei der Allianz im Archiv arbeiten durfte ist er doch kein Fachmann! Das er die Materie nicht versteht, zeigen doch seine diversen Stationen.
    2002 nach dem größten anzunehmenden Super-GAU bei Stiftung Warentest "rausgeflogen" (http://www.tagesspiegel.de/medien/nach-dem-schock/341646.html) dann nach einem Jahr bei Assekurata geschasst um sich nun mit einer Ich-AG selbststädig zu machen (den wollte offensichtlich wohl keiner mehr!).
    Selbst seine Versicherungs-Basching-Kumpanen vom BdV haben die Schnauze voll von seinem Geschwätz. Hat der Mann weiterbildungsnachweise? Nein! Ist er Mitglied einer anerkannten berufsständigen Organisation? Nein! Außer seinem Grünen-Parteikumpel Dr. Schick und dem Handelsblatt hat mittlerweile doch jeder erkannt, dass dieser Mann überhaupt nicht weiß worüber er redet. Seine einzige Motivation ist "dagegen"!

  • @ kleinlein,

    sie machen es sich ja ziemlich einfach. Sie verwechseln Kreativität mit Arbeitsaufwand, wenn sie die Leistung der Verbraucherschützer und ihre eigenen rechtfertigen.
    Arbeitsaufwand ist aber keine Leistung im ökonomischen Sinne, wenn sie keine verkaufbaren und gewinnbringenden Produkte zur Folge hat. Da könnte man den ganzen Tag auch Sand von einem Haufen auf den anderen schaufeln und sich die Mühe in Rechnung stellen.
    Die Versicherungsbranche ist wie jede Branche darauf orientiert mit minimalen Aufwand größtmöglichen ökonomischen Erfolg zu erzielen. In einer Marktwirtschaft ist das der einzige Bewertungsmasstab für Erfolg im Markt.
    Darüber hinausgehende Ziele zu fordern ist billig, aber naiv. Deshalb gibt es deswegen den staatlichen Regelungsrahmen, damit andere marktfremde staatliche Ziele Mindeststandards erfüllen.
    Die private Alterversorgung wurde von der Regierung Schröder für fiskalische Begehrlichkeiten genau hinsichtlich dieser zusätzlichen Ziele zerstört, weil man schlicht die Realitäten des Marktes nicht zur Kenntnis nehmen wollte, oder aber wusste, das man sie dafür nicht sie, sondern die bösen Kapitalisten öffentlich zur Verantwortung ziehen würde.
    Ich gehe eher von ideologischer, egoistisch arroganter Verblendung aus, die ignoriert, was nicht ins eigene Weltbild passt. Letztlich geht es der Politik darum einen hohen Beschäftigungstand zu erhalten, das dies günstigen Angeboten am Markt letztlich widerspricht, wird mit passenden neuen Regelungen gesichert. Das kann und wird aber nicht auf Dauer funktionieren. Gegensätze die durch die multiplen Ziele (sozial, ökologisch, wirtschaflich) in der Realität entstehen , werden ignoriert, weil sie ökonomisch nicht bepreist werden können und politisch mangels Transparenz nicht bepreist sind.
    So gehören sie letztlich zu den St. Florians Jüngern. Denn sie müssen letztlich nicht für Ihre Kritik in der Weise einstehen, das sie eine Lösung für das ganze Dilemma anbieten können.

    H.

  • Der Rausschmiss Kleinkleins aus dem Vorstand der Bund der Versicherten verwundert nicht. Sein pauschales Gebashe gegen die Versicherungsbranche ist genauso dümmlich wie sie es wäre, wenn man sie gegen Verkehrsclubs oder Fahrradclubs betreiben würde. Es gibt eben gute und schlechte, seriöse und unseriöse Clubs, Vereine und Versicherungen oder beides.
    Wie ein Mantra plädierte er immer die Altersvorsorge auf Aktien. Wie das endet, wenn man altersbedingt auf das Geld angewiesen ist, aber die Aktien sich seit Jahren im Tief befinden, bzw. Aktien ihren Wert komplett verloren haben ( z.B. Karstadt ), das habe ich innerhalb der Familie und innerhalb des Kundenkreises nicht gerade selten beobachten können. Sie danken den "Beratern" à là Kleinklein, egal ob sie aus eigenen Renditegründen oder Kleingeistigkeit derartige Empfehlungen abgaben.

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