Kleinleins Klartext
Die Paranoia der Lobbyisten

Kaum eine Branchenvertretung ist so mächtig wie der Verband der Versicherer. Doch bei Kritik von Verbraucherschutz und Medien zeigen die Lobbyisten Nerven. Dabei haben sie doch kaum etwas zu befürchten.
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Die Versicherungslobby ist stark. Zumindest die der Lebens- und Sachversicherer, die sich im „Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft“ (GDV) organisiert.

Ein Bundestagsabgeordneter erklärte mir einmal, dass er früher bei seiner Arbeit im Verteidigungsausschuss von der Lobby der Rüstungsindustrie beeindruckt war. Nachdem er aber die Arbeit des GDV kennenlernte, weiß er, dass die Waffenlobby doch noch so einiges zu lernen hat. Die Versicherungslobby hat sich also den Ruf erarbeitet, sehr effizient und sehr erfolgreich zu arbeiten.

Da verblüfft es, wie der starke Lobbyverband bei Kritik von Seiten des Verbraucherschutzes doch immer wieder seine Souveränität verliert. Erst letzte Woche durfte ich dies wieder erleben, bei einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion während einer Vermittlerveranstaltung in Hildesheim. Man setzte sich zusammen, um Probleme in der Altersvorsorge zu besprechen und vielleicht auch Lösungsansätze zu diskutieren.

Dazu kam es allerdings nur zum Teil. Zum Ende der Veranstaltung hin hat der Funktionär des Lobbyverbandes einen ganz bestimmten Verbraucherschützer – nicht zum ersten Mal – beschimpft und dessen Arbeit verunglimpft. Der Vorwurf lautete, dass Verbraucherschützer zusammen mit Journalisten „Medienkampagnen“ fahren würden.

Auch wurde mal wieder behauptet, ich (denn er meinte mich), ich würde mit „finanzmathematischen Taschenspielertricks“ arbeiten, und meine Arbeit wäre „unseriös“. Anders als bei früheren Veranstaltungen gelang es ihm diesmal diese Schimpfkanonade in etwa zwei Minuten zu absolvieren, in der Vergangenheit dauerte das schon einmal fünf Minuten oder länger.

Derartige Szenen musste ich also auch schon früher erleben. Egal ob bei einer anderen Podiumsdiskussion auf Einladung der Bundesverbraucherministerkonferenz (dort saß ich nur im Publikum) oder wie im letzten Herbst bei dem Fachgespräch eines Beratergremiums der Bundesregierung. Auch dort verlor der gleiche Lobbyist seine Contenance und polemisierte in meinem Beisein ohne sich auf echte Argumente zu beziehen.

Damals wehrte der Lobbyvertreter meinen Wunsch nach Mäßigung (schließlich wollten wir ja eigentlich eine Sachdiskussion führen) brüsk ab. Seine damalige Unterstellung lautete: Wenn ein Verbraucherschützer seine ungeliebten Thesen in der Öffentlichkeit – gar im Fernsehen – vertritt, dann wäre per se keine Diskussion mehr möglich, denn diese Thesen seien ja sowieso falsch und nicht diskussionswürdig. Und deshalb wäre es auch richtig, eine Sachdiskussion von vornherein durch Verbalattacken zu würzen und zu erschweren.

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Die Paranoia der Lobbyisten

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Angst vor der "Hetzkampagne"

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Die Paranoia der Lobbyisten"

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  • Das ist doch ganz klar: Die Versicherungslobbyisten versuchen abweichende Meinungen mundtot zu machen, um so alleine die öffentliche Meinung bestimmen zu können. Herr Kleinlein sollte weitermachen. Und Journalisten, die auf die sich einseitig auf die Meinung einer Seite festlegen lassen, sollten ihr eigenes Berufsbild kritisch überprüfen.

  • Dankeschön für den Beitrag, den habe ich unter Korruption Lobbyisten LobbyPlag auf G+ gepostet!

    https://plus.google.com/u/0/communities/103883801565410364390/stream/d0a0a395-7be6-4782-8a13-03fdcb4da8b2

  • @Poldi, Sie haben nichts verstanden. Weder haben Sie die Begriffe "Garantieverzinsung" und "Überschussbeteiligung" verstanden, noch haben Sie meine Kritik verstanden.

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