Professor Chiffre
Familienpolitik ist kein Wunschkonzert

Das Betreuungsgeld ist eine verkorkste Idee. Es leistet keinen Beitrag dazu, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern oder die Gründung einer Familie zu motivieren.
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DüsseldorfFamilie ist dort, wo Kinder und Eltern(teile) zusammenleben. Dieses Zusammenleben steht unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Dieser Schutz dokumentiert sich in einer Familienpolitik, bei der es einerseits darum geht, Belastungen, die durch das Aufziehen von Kindern entstehen, zu kompensieren und andererseits, die Leistungen, die Eltern(teile) für die Gesellschaft erbringen, zu honorieren. Im Einzelnen nennt der 7. Familienbericht sieben Ziele nämlich die frühe Förderung, den Nachteilsausgleich, die Erfüllung von Kinderwünschen, den Zusammenhalt der Generationen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Wahlfreiheit sowie die wirtschaftliche Stabilität von Familien.

Jede neue familienpolitische Maßnahme muss sich deshalb daran messen lassen, ob sie einen Beitrag zu mindestens einem dieser Ziele leistet, ohne dabei in einem unverhältnismäßigen Konflikt zu anderen Zielen zu stehen. Zudem ist Familienpolitik kein Wunschkonzert, d.h. auch für dieses Politikfeld gibt es im Interesse der langfristigen Entwicklungsperspektiven unseres Landes und damit im Interesse der nachwachsenden Generationen Restriktionen, die aus den fiskalischen Belastungen oder unerwünschten Effekten auf die Erwerbstätigkeit von Frauen erwachsen können. Hier sind beim Betreuungsgeld massive Zweifel angebracht.

Es soll Müttern/Eltern die Wahlfreiheit eröffnet werden, ihr Kleinkind selbst zu betreuen. Diese mit finanziellen Anreizen verbundene Option geht davon aus, dass die frühkindliche Förderung bei einer häuslichen Betreuung  der durch eine Betreuungseinrichtung überlegen, zumindest aber gleichwertig ist und die Eltern in der Lage sind, objektiv zu beurteilen welche Art der Betreuung im Interesse ihres Kindes die bessere ist. Dieses kann man bezweifeln. Das Betreuungsgeld leistet zudem keinen Beitrag dazu, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern oder die Gründung einer Familie zu motivieren. Mehr noch: Im Zusammenspiel mit dem Ehegattensplitting wird der Anreiz verstärkt, dass junge Müttern nach dem Elterngeldbezug nicht wieder zumindest eine Teilzeitbeschäftigung aufnehmen. Angesichts des durch die demografische Entwicklung bedingten Rückgangs der Erwerbsbevölkerung ist dies ein kontraproduktiver Effekt.

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  • Der Artikel gibt die Meinung des Autors nicht wieder. Herr Rürup hat Statisken zur Hand. Er kennt die Unterschiede zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland und die Unterschiede zwischen Bayern und NRW. Außßerdem weiß er, dass,das Subventionitis in Deutschland kaum zurückgedreht werden kann.
    Familienpolitik ist Ländersache. Punkt

  • Ich kann die inkompetente Diskussion nicht nachvollziehen. Hie wird doch auf dem Rücken insbesondere der Frauen und Kinder Politik gemacht. Die Freiheit der Frau, ihren mühsam erworbenen Beruf ausüben zu können, finanziell unabhängig zu sein, eine eigene Rente zu erhalten und ihren Kindern eine Zukunft bieten zu können in Frage zu stellen - wie verträgt sich das mit unserem freiheitlichen Grundgesetz???? Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass meine Töchter und meine drei Enkelkinder in der Krippe und Kita gut aufgehoben waren und eine gute Entwicklung genommen haben. Gegenüber anderen Kindern, die zu Hause groß geworden sind waren sie in ihrer Persönlichketsentwicklung, sozialen Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit, Selbständigkeit und Allgemeinbildung weit voraus. Natürlich muss auch in die Qualifikation des Erziehungspersonals investiert werden! Daher ist die individuelle Erziehungsprämie völlig fehlplatziert!

  • herr rürup - und wenn er richtig zitiert die gesamte politik- entlarvt sich mit der Bezeichnung "nachteilsausgleich für kinder". dies scheint aber die haltung in deutschland zu sein und deshalb haben wir diese schlechte geburtenrate. dies ist ein weiterer schritt der entsolidarisierung: offenbar gibt es den "kindertrieb" bei frauen -aber die erziehung ist zu arbeitsintensiv und beschränkt die persönliche " entfaltung" - also weg und mit 3 monaten in die krippe und zwar die staatliche, nicht etwa private, denen wird durch bürokratische auflagen die existenz schwer gemacht. wie es in schulen zugeht wissen wir-aber bei den krippen sind nur erstklassig ausgebildete motivierte kräfte, alle besser als die armen überforderten mütter. die letzte kette dieser entsolidarisierten verantwortungslosen gesellschaft ist das pflegeheim. auch die politisch viel bedauerten der demenz preisgegebenen, schnell ruhig gestellten alten stören, wenn sie zuwendung und hilfe gebrauchen. der sozialstaat fördert eine egoistische gesellschaft, die zuwendung auf den staat verlagert. warmherzigkeit, vertrautheit, persönliche verantwortung für den mitmenschen werden reduziert- sind vergangene überholte werte.

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