Professor Chiffre
Rente mit 67 – verkannte Rentenerhöhung

Dass es sich um eine verkappte Rentenkürzung handelt, ist ein beliebtes Argument gegen die Rente mit 67. Umgekehrt wird eine Schuh draus, schreibt Bert Rürup.
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„Die Rente mit 67 ist nichts als eine verkappte Rentenkürzung!“ Die gebetsmühlenartige Wiederholung dieses Mantras durch die Gewerkschaften, Sozialverbände, DIE LINKE und sogar von Teilen der SPD macht diese Parole nicht richtig. Zutreffend ist, dass die „Rente mit 67“ – bedingt durch die dann anfallenden höheren Abschläge – Renteneinbußen für alle diejenigen bedeutet, die nicht länger arbeiten können oder wollen.

In den regierungsseitigen Berechnungen wurde dieser Anteil der von dieser Heraufsetzung der gleitenden Regelaltersgrenze betroffenen Arbeitnehmer mit 30 Prozent angesetzt. Diesen zu erwartenden Einbußen eines Teils der Arbeitnehmer stehen aber eine Reihe die Rentenzahlbeträge erhöhende Effekte gegenüber.

Wer länger arbeitet, erhält eine höhere Zahl von Entgeltpunkten und damit einen höheren Rentenanspruch. Zwei zusätzliche Erwerbsjahre führen zu einer um etwa 4,5 Prozent höheren Monatsrente. Und da der Nachhaltigkeitsfaktor in den geltenden Rentenanpassungsformel – vereinfacht die Relation von Rentnern und Beitragszahlern – sich beim Renteneintrittsalter von 67 Jahren weniger dämpfend auf die Rentenanpassung auswirkt als bei der Regelaltersgrenze von 65 Jahren, werden im Jahr 2030 die Rentenzahlbeträge um 1,4 Prozentpunkte und damit das Rentenniveau um 0,6 Prozentpunkte höher sein als bei Beibehaltung der Altersgrenze von 65 Jahren. Warum deshalb die Sozialverbände – als Interessenvertretung der Bestandsrentner – gegen die Verlängerung der Lebensarbeitszeit sind, bleibt deren Geheimnis.

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Der Barwert wird höher sein als heute

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  • Würde unsre Rentenvers. nicht ständig bestohlen vom Staat, hätten wir keine Probleme und die Versicherung wäre bestens gefüllt.
    Das ist nämlich das Problem.
    Die Herrschaften vergessen, dass da unsere Beiträge eingezahlt werden und diese Rentenvrs. uns gehört und nicht den Politikern
    Es wird wirklich Zeit, dass das Volk sich endlich einmal schlau macht und auf die Straße geht und die Mißstände beseitigt

  • Wie schnell man sich vom Wirtschaftsweisen doch zum Neoliberalen wandelt. Seit Rürup im Maschmeyer-Unternehmen ist, vertritt er nur noch neoliberale Thesen.
    Er soll sich mal daran erinnern, dass Prof. Raffelhüschen, den ich sonst nich unbedingt gut leiden kann, schon vor Jahren gesagt hat, dass die Rente mit 67 eine Rentenkürzung von exakt ca. 7% darstellt
    Rürup soll sich nicht mehr in die Politik einmischen und seinen Mund halten
    Leute wir ihn brauchen wir nicht

  • Spiegel, 12.12.2011: die durchschnittliche Lebenserwartung von Geringverdienern West sank im Zeitraum 2001 bis 2010 von 77,5 auf 75,5. Im Osten von 77,9 auf 74,1. Es ist doch ein gutes Gefühl, dass diejenigen, die a) bis 67 arbeiten dürfen (also hochqualifiziert und gesund sind) und b) ein gutes Gehalt haben, ihre langjährigen Rentenbezüge auf Kosten der Beiträge der Geringverdiener erhalten.

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