Walter direkt
Auf dem Vergreisungstripp

Gemessen an der Entwicklung der Geburtenrate ist die deutsche Familienpolitik wirkungslos. Die Deutschen werden immer weniger, vor allem weil Beruf und Familie in Deutschland einfach nicht richtig unter einen Hut kommen.
  • 33

Seit mehr als drei Jahrzehnten dümpelt die deutsche Geburtenrate um die Marke von 1,4 Kindern pro Frau, aktuell liegt sie bei 1,39. Die Folge: die Deutschen werden immer weniger. Forscher haben ausgerechnet, dass in Deutschland im Jahr 2060 nur noch 65 Millionen Menschen leben werden, wenn sich an der Geburtenrate nichts ändert. Das wären immerhin rund 17 Millionen Menschen weniger als heute und die, die es dann noch gibt, sind im Schnitt wesentlich älter.

So ist es denn kein Wunder, wenn darüber diskutiert wird, was eine solche Entwicklung für unsere Gesellschaft und das Funktionieren der Sozialsysteme bedeutet. Wer zahlt die Renten? Wer betreut die Alten? Werden wir alle ärmer, weil Wirtschaftswachstum bei sinkenden Bevölkerungszahlen immer mehr zum Traum wird? Das sind Fragen, die vielen Bundesbürgern Angst machen. Aber was tun wir dagegen?

Klar ist, dass es grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten gibt, diesen demografischen Trend zu stoppen: Eine höhere Geburtenrate oder mehr Einwanderung. Eine auch nur im Ansatz konsistente und konkretisierbare Einwanderungspolitik ist in Deutschland nicht erkennbar, weshalb dieser Weg – aus welchen Gründen auch immer – verbaut scheint. Bleibt also die Familienpolitik.

Deren Aufgabe und Ziel sind klar vorgegeben.  Mehr Kinder wird es nur geben, wenn es gelingt, Familien so zu unterstützen, dass diese Beruf und Familie vereinbaren können. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass genau dieses Problem das größte Hindernis für die Erfüllung eines Kinderwunsches ist. Laut einer von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie hat Deutschland im weltweiten Vergleich den höchsten Anteil an dauerhaft kinderlosen Frauen, vor allem weil Erwerbstätigkeit und Beruf für diese oftmals schlecht vereinbar seien.

Tatsächlich hat sich in der Politik einiges getan, Stichworte sind etwa Elterngeld, Betreuungsgeld, Elternzeit, Kita-Ausbau. Das lassen wir uns auch eine ordentliche Summe kosten, auch wenn niemand so recht zu wissen scheint, wie hoch die familienpolitischen Leistungen pro Jahr in Deutschland wirklich sind – die Zahlen schwanken zwischen 150 Milliarden und 200 Milliarden Euro. Auf jeden Fall aber liegt Deutschland deutlich über dem Durchschnitt in der EU.

Trotz dieser vielen Milliarden liegt die deutsche Geburtenrate  im EU-Vergleich jedoch auf dem drittletzten Platz und ist weit entfernt von den Spitzenreitern Irland (2,1), Frankreich (2,1) und Schweden (1,9). Wenn man – wie üblich - den Erfolg einer  Politik daran misst, was sie bewirkt, dann scheint es mit der deutschen Familienpolitik offensichtlich nicht weit her zu sein.

Kommentare zu " Walter direkt: Auf dem Vergreisungstripp"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die hier aufgeworfenen Fragen und deren Beantwortung sehe ich als sehr schwierig an.

    m. E. nach liegt das Hauptübel der geringen Kinderzahl in D. zum Großteil auf der finanziellen Seite. Die steigende Armutsbedrohung verleidet es vielen Menschen zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Einfach gesagt, die Aussichten sind mehr als schlecht. Und das ist auch ein entscheidende Unterschied zu früher: Die Aussichten.
    Leiharbeit, Aufstocker, mehrfach aufeinanderfolgende Zeitarbeitsverträge, 1€ Jobber, Arbeitslosigkeit und schwindende Chancen ab 40J.

    Einen sehr interssanten Artikel kann ich noch empfehlen:
    Handelsblatt vom 3.3.2012 von Olaf Storbeck mit dem Titel
    Hartes Ringen um die Mütter
    Hierbei geht es um die Karrierefrau, welche Kinder bekommt und die Änderung von Wertigkeiten im Familienleben. Sehr interessant sind auch die Kommentare.

    Schönen Abend noch.

  • 1. Die Grundthese des Artikels (wenige Geburten auf Grund der Unvereinbarkeit von Beruf und Familie) wird auch durch die ständige Wiederholung nicht wahrer. Sie ist falsch und regelmäßig auch von den "Betroffenen" nur vorgeschoben bzw. wird zur Rationalisierung des eigenen Lebensentwurfes benötigt.
    In meinem Bekanntenkreis und im Unternehmen stelle ich fest, dass man bzw. Frau sich es oft im Leben gemütlich eingerichtet hat, sein freies selbstbestimmtes Leben liebt und keine Veränderung (also Kinder bekommen) möchte. Wenn den Leuten auffällt, dass sie Nachwuchs möchten ist es oft zu spät oder es ist nur noch ein Kind möglich. Zum einen weil gerade ein Partner mit dem man Kinder bekommen möchte fehlt und/oder zum anderen weil Frau zu alt geworden ist und es nicht mehr klappt.
    2. Die Finanzfrage ist trotzdem aktuell:
    a.) Es ist unanständig, dass ein Hartz IV- Bezieher mehr Geld für sein Kind erhält als der arbeitende Bürger. (Das führt nämlich dann zu:)
    b.) Das niedrige Kindergeld führt regelmäßig zum erhöhten Armutsrisiko durch Kinder - wie einige Vorredner hier ja schon gut darlegten. By the way: Wenn die persönlichen Ausmaße vorher regelmäßig bekannt wären, hätten wir wahrscheinlich noch weniger Kinder :-).
    c.) Durch zu niedriges Kindergeld findet eine ungesunde Umverteilung zwischen Kinderbekommenden und Kinderlosen statt. Die Kinderlosen profitieren von der Wirtschaftsleistung der Nachkommen der Kinderbekommenden; sind aber an den Kosten zur Aufzucht der Kinder nicht ausreichend beteiligt. Die Kinderlosen leben so ein Stück weit auf Kosten der Kinderbekommenden. Die Forderung nach einem höheren, z.B. das Existenzminimum deckenden, Kindergeld ist also eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

  • Beide Geschlechter unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer mentalen und physischen Leistungsfähigkeit, hinsichtlich ihrer Krankheitstage, ihrem formellem Bildungsstand, ihrem Wille zur Weiterbildung und ihrer Kommunikationsfähigkeit (Frauen _reden_ mehr, aber Männer kommunzieren besser (sind also sach- und zielbezogen und dadurch fähiger in einem Arbeitsteam zu schaffen))

    abc: was Sie hier machen ist Diffamierung pur. Eigentlich Volksverhetzung, die sich überhaupt nicht wissenschaftlich beweisen lässt. Ich nehme nur das Kommunikationsargument "Frauen reden mehr, aber Männer kommunizieren effektiver".
    Wenn Sie schon so etwas behaupten, dann möchte ich schon gerne von Ihnen eine Quellenangebe vorauf Sie sich beziehen. Ansonsten ist es Diffamierung und Diskrimination. Eigentlich ein straftätlicher Bestand, da Verhetzung gegen eine Bevölkerungsgruppe in diesem Falle Frauen.

    Also, gerne die Quellen, die dies beweisen. Nur werden Sie die nicht vorweisen können, weil es grober Unfug ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%