Walter direkt
Einfallslos und riskant

Union und SPD drehen im Kampf gegen die Altersarmut die Rentenwende zurück. Die Chance für eine nachhaltige Lösung dieses Problems scheint vertan.
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Mal ganz ehrlich: Wer versteht die aktuellen Rentenpläne von Union und Sozialdemokraten wirklich?  Dass es kompliziert zugeht, wenn der Staat seinen Bürgern etwas zukommen lassen will, kennen wir zur Genüge. Warum sollte das bei der Zuschussrente (CDU) oder der Solidarrente (SPD) für Geringverdiener plötzlich anders sein? Wer diese Rente bekommen will, muss so und so lange in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, privat vorgesorgt oder Kinder erzogen oder Alte gepflegt  haben. Dazu gibt es noch verschiedene Hürden, Übergangszeiten, Einkommensgrenzen und so weiter.

Dabei geht es eigentlich nur darum, mit dieser Renteninitiative etwas gegen die drohende Altersarmut von Geringverdienern zu tun. Auf welchem Wege das geschehen soll, ist aus meiner Sicht allerdings höchst kritikwürdig. Darin offenbart sich sowohl ein Scheitern der staatlichen Rentenpolitik als auch eine von privaten Anbietern nur halbherzig genutzte Chance, auf dem Vorsorgemarkt stärker Fuß zu fassen.

Zur Erinnerung: In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die staatliche Rente von einem System, mit dem der Lebensstandard im Alter weitgehend gesichert wurde, zu einem Modell gewandelt, das nur noch eine Art Grundsicherung bietet. Abgesehen von vielen Einzelheiten wie der Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, wird das schon daran deutlich, dass das Rentenniveau bis zum Jahr 2030 auf 43 Prozent des Nettolohns sinken soll. Damit allein kann wirklich niemand seinen Lebensstandard im Alter auch nur annähernd erhalten, und ob die dann gezahlte Rente noch als Grundsicherung zu bezeichnen ist, steht in den Sternen.

Ganz besonders treffen diese Reformen natürlich diejenigen, die entweder wenig verdienen beziehungsweise verdient haben oder die Lücken in ihren Versicherungsbiografien aufweisen, weil sie zum Beispiel länger arbeitslos waren. Ihre Rentenansprüche liegen oftmals unter den als Grundsicherung momentan anerkannten 688 Euro monatlich.

So einsichtig Hilfen für diese Menschen sind, so fragwürdig ist die Finanzierung der Zuschuss- beziehungsweise Solidarrente, denn dafür wird im Prinzip wieder auf das herkömmliche Umlage- oder Steuerfinanzierungsmodell zurückgegriffen. Angesichts der demografischen Entwicklung ist das ein riskantes Verfahren, weil immer weniger Menschen für immer mehr Rentner Beiträge oder Steuern abführen müssen.

Die sich aus den Reformen der gesetzlichen Rente  zwangsläufig ergebende „Versorgungslücke“ im Alter sollte durch staatlich geförderte private Vorsorge ausgeglichen werden. Die 2001 eingeführte Riester-Rente ist dafür das prominenteste Beispiel. Anders als bei der gesetzlichen Rente, sollten kapitalgedeckte, private Vorsorgemodelle für diesen Ausgleich sorgen. Die Riester-Rente ist zugleich aber auch eine der am heftigsten kritisierten Finanzinnovationen im Privatkundengeschäft der vergangenen zehn Jahre.

Kommentare zu " Walter direkt: Einfallslos und riskant"

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  • Die großen Parteien müssen Ihren Fokus wieder deutlich mehr auf das Wohl der Bürger legen ! Transparenz und Fairness gehören dazu. Die Menschen sollten wissen, was die Folgen von Draghis neuer EZB-Politik ist und dementsprechend handeln können. Für die Akzeptanz der Parteien in Zukunft ist dies von elementarer Bedeutung ! Dazu gehört auch das Thema Rente: Die Menschen sollten wissen, dass Sie aufgrund des demographischen Wandels werden länger arbeiten müssen um die arbeitenden Generationen nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen. Auch dies sollte von den Parteien offen kommuniziert werden - dann stehen die Chancen auch besser, dass solche Lösung Akzeptanz in der Bevölkerung finden !

  • " ..Union und SPD drehen im Kampf gegen die Altersarmut.."

    Das soll wohl Satire sein? Oder eher schärfster Zynismus?

    Diese Parteien machen Deutschland gerade finanziell dem Erdboden gleich.

  • Welche arme Sau soll denn jetzt noch Riestern, wenn klar ist, das Draghi und die EZB den Euro kaputt inflationieren wollen.

    Aber kein Problem, Hauptsache in Griechenland und Spanien werden weiterhin noch 80% bzw. 60% des Gehalts als Rentenniveaus bezahlt. Dafür arbeitet der Deutsche natürlich auch gerne bis 80.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/09/17/hohe-renten-in-suedeuropa-gehen-zu-lasten-der-deutschen/

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