Lateinamerika
Unabhängigkeit für Südamerika

Der größte Teil Lateinamerikas steht am Beginn einer wirtschaftlichen Erholung. Höhere Rohstoffpreise begünstigen vor allem Länder, die offen für ausländische Investitionen sind. Und sie sorgen für eine Verringerung ihrer Abhängigkeit von den USA.
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Südamerika könnte endlich unabhängig von den USA werden. Jetzt, wo der Wettbewerb um die natürlichen Ressourcen der Region sich wieder intensiviert, steht der größte Teil Lateinamerikas am Beginn einer wirtschaftlichen Erholung. Höhere Rohstoffpreise begünstigen vor allem Länder, die offen für ausländische Investitionen sind. Sie könnten auch helfen, Lateinamerikas jahrhundertealtes Ziel zu verwirklichen.

Eine Gemeinschaftsstudie der brasilianischen Getulio Vargas Foundation und des deutschen Ifo-Instituts zeigt fast überall in Lateinamerika eine deutliche Verbesserung des Geschäftsklimas. In einigen Ländern, insbesondere in Peru, Brasilien und Chile signalisieren die Klimaindikatoren bereits den Beginn einer Konjunkturerholung. Das andere Extrem bildet Venezuela, dessen Klimaindex auf eine weiter anhaltende, tiefe Rezession deutet. Für Mexiko und Argentinien ermitteln die Wirtschaftsforscher nur moderate Verbesserungen gegenüber den früheren Tiefständen.

Die GVF/IFO-Indexwerte sind eng korreliert mit der Offenheit der jeweiligen nationalen Regierungen gegenüber ausländischen Investitionen und der Attraktivität der Länder für die internationale Wirtschaft. Brasilien, Peru und Chile haben alle Mitte-Links-Regierungen, sie konnten - anders als ihre Nachbarn - ein freundlicheres Wirtschaftsklima aufrechterhalten und blieben offen für fremde Investitionen.

Sie waren auch im Vorteil, als Lateinamerikas ressourcenreiche Volkswirtschaften in den letzten Jahren von den hohen Rohstoffpreisen und der wachsenden Nachfrage aus China und anderen schnell wachsenden Emerging Markets nach Energie und Mineralien profitierten. Da China und Indien auch während des weltweiten Wirtschaftsabschwungs noch wuchsen, blieben die Rohstoffpreise relativ hoch und sie dürften noch weiter steigen, wenn sich die globale Erholung als tragfähig erweist.

In diesem Fall dürften die offeneren Volkswirtschaften Lateinamerikas, also besonders Brasilien, Chile, Kolumbien und Peru die Nase vorn haben. Sie werden auch ihre Handelsstrukturen zunehmend diversifizieren und dabei ihre Abhängigkeit von den Kolossen im Norden reduzieren. In Brasilien zum Beispiel hat China die USA bereits als wichtigsten Handelspartner abgelöst.

Umgekehrt werden Venezuela, das ausländische Besitztümer in den meisten Branchen verstaatlichte, und seine Autarkie-orientierten Verbündeten in Argentinien, Ecuador und Bolivien nur wenig Nutzen aus dem Aufschwung ziehen können. Sie bieten den Nachfragern, die an ihren Ressourcen interessiert sind, keine Sicherheit, dass ihre Verträge auch eingehalten werden. Selbst Mexiko ist gegenüber ausländischen Investitionen in den Sektoren Energie, Holzwirtschaft und einigen Mineralien weniger offen als in anderen Wirtschaftszweigen. Das heißt, das Land wird an der wachsenden Nachfrage aus Asien weniger partizipieren als es eigentlich möglich wäre.

Seit Jahrhunderten träumen linksgerichtete Lateinamerikaner von der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von den USA. Jetzt haben einige Länder dieses Ziel erreicht - durch eine "neoliberale" Wirtschaftspolitik.

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