Leerverkäufer
Die Bären der Bären

Nachdem sich die Leerverkäufer an den Gerippen der Unternehmen, die durch die Kreditkrise in die Knie gezwungen worden waren, gütlich getan haben, gibt es für sie nun weniger zu holen. Ihre offensichtlichen Ziele im Finanzbereich sind schon angeschlagen. Zudem verursacht die Erholung bei strategischen M&A-Abschlüssen ihnen Kopfzerbrechen. Die Hausse für die Pessimisten scheint eine Pause einzulegen.

Der April war der grausamste Monat überhaupt - zumindest für Hedge Fonds, die sich auf Leerverkäufe spezialisiert haben. Diese Fonds veräußern Wertpapiere oder Derivate, die sie zunächst nicht besitzen, um sich bei einer von ihnen erwarteten rückläufigen Kursentwicklung später günstig einzudecken. Die Strategie dieser Fonds, mehr Verkaufs- als Kaufpositionen einzugehen, hat laut den Daten von Credit Suisse/Tremont schlechter abgeschnitten als alle anderen. Zwar sind sie auf das Gesamtjahr gesehen immer noch in der Pluszone, aber die jüngste Entwicklung ist ein schlechtes Zeichen für eine Strategie, die selbst noch aus dem letzten Schrott der Kreditkrise Gold gemacht hatte.

Fähigen Leerverkäufern fällt natürlich immer noch etwas ein, sogar in einer Hausse. Aber insgesamt gesehen bläst der Short-Strategie der Wind ins Gesicht. Zunächst einmal gibt es nicht mehr so viele leichte Opfer. Die taumelnden Bond-Versicherer, Wohnungsbaugesellschaften, Hypotheken-Urheber, Banken und Rating-Agenturen sind bereits weitgehend ausgesaugt worden. Die erstaunlich rentablen Aktieneinbrüche um 90 Prozent etwa bei Countrywide Financial und Ambac haben dazu geführt, dass die Leerverkäufer nur noch mit begrenzten weiteren Gewinnen rechnen können. Und da die offensichtlichen Ziele allesamt belagert werden, sind weitere Leerverkäufe teuer geworden.

Dazu kommt die irritierende Erholung bei den M&A-Aktivitäten. Sicher, die mit Fremdkapital finanzierten Unternehmensübernahmen, die die Short-Verkäufer vor der Kreditkrise in ihre Verstecke getrieben hatten, sind keine große Bedrohung mehr. Aber eine ganze Reihe strategischer Abschlüsse hat viele Leerverkäufer in Mitleidenschaft gezogen.

Nehmen wir einmal die Offerte von CBS für CNET Network, bei der 20 Prozent der umlaufenden Aktien von Leerverkäufen betroffen waren. Als CBS dann einen Aufschlag um 45 Prozent für die Internetgruppe präsentierte, ist das den Short-Verkäufern teuer zu stehen gekommen. Zuvor waren die Heerscharen, die gegen Take-Two Interactive gewettet hatten, auf dem falschen Fuß erwischt worden, als Electronic Arts (EA) ihr Gebot über zwei Mrd. Dollar für den Hersteller von Videospielen vorgelegt hatte, obwohl EA kein Geheimnis aus ihrem Interesse gemacht hatte.

Es besteht natürlich immer die Möglichkeit, dass sich die Kreditkrise noch weiter ausbreitet und sich damit für die Leerverkäufer neue Gelegenheiten bei verbraucherorientierten Unternehmen eröffnen. Und es gibt ja auch noch Anzeichen dafür, dass die Bären die Hoffnung nicht ganz aufgeben müssen. Die Gewinne der im S&P 500-Index zusammengefassten Firmen sind im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent gefallen. Auf den ersten Blick erscheinen damit Aktien insgesamt teuer. Aber die Pessimisten sollten nicht zu laut jubeln - der gesamte Rückgang lässt sich auf die Schwierigkeiten im Finanzsektor zurückführen. Es dürfte den Leerverkäufern schwer fallen, dort noch viel frische Beute zu finden.

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