Liverpool FC
Wie vermurkse ich einen Fußballclub

Die US-Investoren George Gillett und Tom Hicks liefern sich gerade eine spektakuläre Auseinandersetzung über den Liverpool FC, den sie vor einem Jahr übernommen haben. Beteiligungsgesellschaften, die sich für Deals wieder zu Teams zusammenschließen, sollten genau zuhören. Wirtschaftlich harte Zeiten können selbst die engsten Partnerschaften auf die Probe stellen.

Auf Mannschaften sollte eigentlich das gute alte Sprichwort „Geteiltes Leid ist halbes Leid” am besten passen. Aber manchmal potenzieren Teams das Unheil geradezu. So wie George Gillett und Tom Hicks. Die amerikanischen Sport-Investoren hatten im vergangenen Jahr zusammen den britischen Fußballclub Liverpool FC für 219 Mill. Pfund Sterling gekauft. Während sich die „Reds“ auf dem Rasen passabel schlagen, stellt sich das Eigentümer-Duo gegenseitig ein Bein. Nachdem er sich anfangs in engem Schulterschluss mit Hicks gezeigt hatte, will Gillett jetzt aussteigen. Er behauptet, sein Partner drohe damit, den Verkauf seiner Hälfte des Clubs an eine Investmentgesellschaft aus Dubai blockieren zu wollen. Die Beziehung zu Hicks „funktioniere seit einiger Zeit “ nicht mehr.

Die Geschichte mutet wie eine Parabel mit einer moralischen Botschaft für die Beteiligungsgesellschaften an, die wieder gemeinsam auf Jagd nach Investitionen gehen wollen. Da ihnen jetzt die Kraft für die Aufnahme von Krediten fehlt, die ihnen in den vergangenen Jahren zugeflossen war, denken sie wieder zögerlich darüber nach, Partnerschaften zu zweit oder zu mehreren einzugehen – selbst für kleinere Abschlüsse. Blackstone und CVC Capital erwägen eine gemeinsame Minderheitsbeteiligung bei dem britischen Pub-Betreiber Mitchells & Butlers, während Bridgepoint angeblich zusammen mit Dubai International Capital an einer Offerte für die im Medizinbereich tätige Euromedic über 700 Mill. Pfund Sterling arbeitet.

Bei der letzten Runde solcher Partnerschaften und so genannter “Club Deals”, die drei oder mehr Parteien umfassen, zeigen sich schon erste Risse – davon waren in den vergangenen Jahren rund einhundert mit einem Wert von mehr als einer Mrd. Dollar abgeschlossen worden. Apax und Permira scheiterten an dem Verkauf des britischen Einzelhändlers New Look, nachdem man sich nicht auf eine Auktionstaktik einigen konnte, verlautete aus mit der Situation vertrauten Kreisen. Ähnlich erging es den fünf Firmen, die die Mehrheit an dem italienischen Ersteller von Branchenverzeichnissen Seat Pagine Gialle halten. Sie konnten keinen Konsens über einen Verkauf herstellen, auf den man sich ursprünglich geeinigt hatte. Die Aktien von Seat Pagine Gialle sind seit dem Erwägen dieser Option um 75 Prozent gesunken.

Erfolg kann die Belastungen gemeinsamen Eigentums mindern, aber wenn in einer Portfolio-Gesellschaft ernste Kämpfe aufbrechen, wird es für unterschiedliche Eigentümer schwieriger, sich auf eine Strategie zu einigen. Und die Fetzen fliegen sicherlich auch dann, wenn einer der Partner aussteigen will – so wie es Gillett jetzt erlebt. Die Buyout-Firmen mögen zwar behaupten, sie könnten sich über solche internen Zwistigkeiten im vereinten Streben nach der Rendite hinwegsetzen. Aber der wirtschaftliche Abschwung und die Kreditkrise werden mit Sicherheit dafür sorgen, dass sich andere mit Hilfe von Fremdkapital finanzierte Übernahmen durch Konsortien in genau derselben ungebührlichen Art und Weise wie der Liverpool-Deal auflösen.

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