Londoner Börse
Die Meisterin der Verteidigung

Clara Furse hat sich als fähige Verteidigerin der London Stock Exchange erwiesen. Die Börsenchefin hat innerhalb von vier Jahren ein halbes Dutzend Annäherungsversuche abgewehrt. Da die Aktien der Londoner Börse in diesem Jahr allerdings um 48 Prozent an Wert verloren haben und der Wettbewerb immer stärker wird, muss die Börsenchefin unbedingt aggressiver gegen ihre Konkurrenten vorgehen.

Clara Furse, die Chefin der London Stock Exchange (LSE), scheint in der Rolle der Verteidigerin aufzugehen. Nachdem sie in den vergangenen vier Jahren die Annäherungsversuche von einem halben Dutzend an Werbern erfolgreich abgewehrt hat, muss sie nun gegen eine neue Raubtierart ankämpfen. Statt die LSE ganz zu verschlingen, scheinen ihre eindringenden Feinde entschlossen zu sein, an ihr herumzunagen.

Chi-X, ein Konkurrenzunternehmen von Nomura, hat der LSE beim FT SE 100-Handel schon einen Anteil von zehn Prozent weggeschnappt. Turquoise, eine von einer Gruppe von Banken getragene Handelsplattform, soll in diesem Jahr eingeführt werden, ebenso wie vergleichbare Vorhaben von Nasdaq OMX und Bats Trading. Furse wischt diese Konkurrenten geringschätzig beiseite und lässt vielmehr anklingen, dass die LSE von ihnen profitieren wird. Sicher, die Liquidität wird nicht mit einem Schlag zu den Rivalen abfließen. Aber lange wird es nicht dauern.

Den vagen Kommentaren der LSE zum vergangenen Geschäftjahr ist nicht zu entnehmen, ob die Börse über einen tragfähigen Plan verfügt, um dieser neuen Konkurrenz entgegen zu treten. Da die Zahl der neuen Börsenzulassungen abgerutscht, der Druck bei der Preisgestaltung größer geworden ist und rückläufige Handelsvolumina drohen, sind die Aktien der LSE um weitere sechs Prozent gefallen. Die Titel haben damit im bisherigen Jahresverlauf 48 Prozent verloren - und zwar obwohl der jährliche Nettogewinn um 59 Prozent gestiegen ist. NYSE Euronext und Deutsche Börse haben im Vergleich dazu 2008 jeweils nur um 25 Prozent nachgegeben.

Dies könnte bedeuten, dass Furse gezwungen ist, eine neue Verteidigungslinie zu eröffnen - gegen ihre eigenen Aktionäre. Sicher, es hat den Anschein, als seien zwei Drittel von ihnen fest verwurzelt, wobei Investoren aus Katar und Italien für die nötige Bodenhaftung sorgen. Eine weitere Übernahme-Offerte erscheint daher vorerst unwahrscheinlich.

Und die Aktionäre können sich eigentlich auch nicht darüber beklagen, dass Furse untätig geblieben ist. Sie hat in die Technologie investiert, die Borsa Italiana übernommen und ein Unternehmen für gering kapitalisierte Werte in Tokio gegründet. Aber sie muss eindeutig mehr tun. Auch ihre ergebensten Unterstützer werden sich wahrscheinlich nicht ewig gedulden. Die Qatar Investment Authority hat bereits ein Drittel ihrer Investitionen verloren.

Das macht die LSE zur idealen Zielscheibe für Aktivisten. Die Nasdaq und die OMX hatten Anfang des Jahrzehnts mehr als ein Drittel ihrer Betriebskosten abgestoßen, bevor sie im vergangenen Jahr fusioniert haben.

Auch der LSE würde eine solche Übung wahrscheinlich gut tun. Zudem muss sie sich in Asien möglicherweise einen größeren Partner suchen. Furse sollte die Initiative ergreifen, bevor ihr jemand zuvorkommt. Manchmal ist der Angriff der beste Weg zur Verteidigung.

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