LVMH
Auftrieb für den Luxus

Der Einbruch beim Verbrauchervertrauen weckte Befürchtungen, der Modemarkt, vor allem im oberen Preissegment, könnte empfindlich getroffen werden. Die Ergebnisse des französischen Einzelhandelsgiganten zeigen allerdings, dass die Haute Couture bisher rezessionsresistenter ist, als ursprünglich befürchtet. Die wachsende Nachfrage aus Asien trägt zumindest dazu bei, die US-Ausgabenschwäche zu kompensieren.

Die Stars auf dem europäischen Luxusmarkt haben sich auf ein hartes Jahr eingestellt. Wenn Konsumenten ihre Ausgaben einschränken, warum sollten sie dann nicht auch halt vor Luxusgütern wie Cartier-Uhren oder Louis-Vuitton-Taschen machen? Wie sollten die Hersteller von Gütern für die Reichen und Schönen es verkraften, in teuren Euro zu produzieren und schwachen Dollar zu verkaufen? Richemont, der Hersteller von Cartier-Uhren, und Coach, die US-Handtaschenfirma, veröffentlichten erst vor Kurzem enttäuschende Zahlen. Und in der vergangenen Woche schlug der italienische Schuhproduzent Tod’s aufgrund der sinkenden Nachfrage Alarm.

Der Marktführer der Branche, LVMH, konnte die trübe Stimmung aber zumindest teilweise vertreiben. Am Mittwoch gab das Unternehmen bekannt, dass es seinen Jahresüberschuss um 8 Prozent auf 2,02 Milliarden Euro steigern konnte. Trotz der „aufreibenden” Wirtschaftslage geht man bei LVMH davon aus, auch dieses Jahr mit positiven Wachstumsraten abschließen zu können.

LVMHs Zuversicht scheint einige wichtige Lektionen bereitzuhalten. Erstens, das Unternehmen konnte höhere Dollarpreise durchsetzen, ohne dass die US-Verkäufe einbrachen. Daraus lässt sich ableiten, dass reiche amerikanische Konsumenten es sich leisten können – zumindest noch – weiter Geld auszugeben. Zweitens, zumindest die Global Player profitieren von der boomenden Nachfrage in Asien. Zum Beispiel meldete Richemont, dass China und Hongkong im abgelaufenen Jahr zum ersten Mal die USA als größten Käufer von Cartier-Uhren überholt hätten.

Luxusschlachtschiffe wie LVMH scheinen also besser in der Lage Stürme abzuwettern als die kleinen Speedboote im Familienbesitz. Die Branchengrößen sind im schnellwachsenden Asiengeschäft besser positioniert, während kleinere Wettbewerber besonders vorsichtig mit neuen Investitionen sein müssen. Die Zeit könnte für LVMH oder Richemont jetzt sogar günstig sein, konkurrierende Familienbetriebe, die ins Stolpern geraten, aufzukaufen.

Vielleicht sollten auch die Anleger, die die Aktienkurse der Luxusgüterproduzenten seit Jahresbeginn um ein Viertel nach unten gehandelt haben, noch einmal genauer hinschauen. Richemont wird gegenwärtig zum 10,2-fachen seiner für das kommende Jahr erwarteten Gewinne gehandelt (ohne die Gewinne aus dem Tabakgeschäft zu berücksichtigen), LVMH nach Angaben der Schweizer Bank Vontobel zum 13,1-fachen. Damit liegt diese Kennzahl auf dem niedrigsten Niveau seit den Anschläggen vom 11. September 2001. Mal abgesehen von dem Fall, dass die US-amerikanische Erkältung zu einer tiefen und anhaltenden globalen Lungenentzündung wird, scheint diese Bewertung deutlich zu niedrig.

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