Märkte und Inflation
Die große Wende

Jahrelang war die Verbraucherpreisinflation gering und die Preise an den Kapitalmärkten stiegen. Die Investoren lebten im siebten Himmel. Aber das Muster hat sich verändert – die meisten Kapitalwerte stehen heute unter Druck, während die Einzelhandelspreise weltweit steigen. Und Investoren fühlen sich schmerzhaft ins Fegefeuer versetzt.

US-Hypotheken sind nach Tony James, dem Präsidenten der Beteiligungsgesellschaft Blackstone, ein „schwarzes Loch”. Die Preise für gewerbliche Immobilien laufen Gefahr zusammenzubrechen. Aus Großbritannien kommen schlechte Nachrichten über die Preisentwicklung auf dem Markt für Wohnhäuser. Auf den globalen Kreditmärkten wachsen die Zinsspannen. Aktienkurse und Rohstoffpreise scheinen sich ihren Höhepunkten zu nähern. Herzlich Willkommen im Fegefeuer der Investoren. In den fünf Jahren vor 2007 erlebten Investoren den siebten Himmel. Weltweit stieg der Wert der meisten Kapitalanlagen schneller als die Weltwirtschaft wachsen konnte. Während sich Aktien dabei vor allem vom Crash der Jahre 2000–2002 erholten, starteten Anleihen, Immobilien, Rohstoffwerte und Sammlerstücke schon von hohem Niveau, die Zinsspannen schrumpften auf erstaunliche Tiefs.

Die Gewinne kamen nahezu automatisch, auch wenn Anleger und Finanzdienstleister das vielleicht anders sehen. Alles was Investoren tun mussten, war kaufen und halten. Die Inflation der Kapitalwerte sorgte schon für die richtige Entwicklung. Die Vermögenswerte erlebten eine Inflation, die den Segen der Zentralbanken genoss. Die Notenbanker verstanden die Entwicklung an den Märkten als Begleiterscheinung einer geringen Verbraucherpreisinflation und einer stabilen globalen Finanzverfassung. Dabei ignorierten sie geflissentlich die Ausweitung des amerikanischen Handelsbilanzdefizits und den überall zu beobachtenden Anstieg der Verschuldung.

Jetzt scheinen Verbraucherpreise und Kapitalwerte die Rollen zu tauschen. Die Investoren fahren Kredite und Risikoneigung zurück und verursachen Preisrückgänge auf den Anlagemärkten, während die Konsumentenpreise steigen. In der Eurozone stieg die Inflation jüngst auf 2,6 Prozent. Die Preissteigerung des britischen Einzelhandels liegt bei 4,2 Prozent, China meldet 6,5 Prozent und in den USA erwartet man für Anfang 2008 einen Inflationsanstieg auf 4 Prozent.

Was passiert da eigentlich? Niemand kann es genau sagen, aber einen Teil der Erklärung dürften monetäre Ursachen beisteuern. Auch wenn es die Zentralbanker nicht wahrhaben wollen, die Inflation der Vermögenswerte erhielt Nahrung durch die expansive Kreditpolitik. Der Höhepunkt könnte nun erreicht sein, so dass Anlagewerte unter Druck geraten, kreditfinanzierte Vermögenspositionen, wie Immobilien, sogar unter extremen Druck. Aber das Ende des Kreditbooms kam zu spät, um zu verhindern, dass die überschüssige Liquidität in die Realwirtschaft floss und die Preise nach oben trieb.

Womit müssen wir nun als Nächstes rechnen? Der Traum vom Anlegerhimmel, in dem die Preise für Vermögenswerte schnell wachsen, wird nicht so schnell zurückkommen; nicht, solange Investoren in Panik geraten und Zentralbanker Angst vor einer Konsumentenpreisinflation haben. Die Verbannung ins Fegefeuer könnte länger anhalten, es dauert eine Weile, bis die Überschüsse der Investoren verbrannt sind. Aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Eine Investorenhölle – mit dem doppelten Teufelskreis aus Deflationsspirale und verbreiteter wirtschaftlicher Rezession – scheint nicht vor der Tür zu stehen.

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