Marsh On Monday
Rosige Zeiten

Die Zeiten, in denen ein Vorstandschef dutzende Aufsichtsratsposten bekleiden konnte, sind passé: Medien und Aktionäre nehmen Unternehmen heutzutage kritisch in Augenschein, Vorstandsetagen setzen auf den dezenten Jobverzicht. In Großbritannien aber ticken die Uhren anders, wie das Beispiel der traditionsreichen Bekleidungskette Marks & Spencer zeigt.
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HB. In den 60er-Jahren lebten wir in einer ganz anderen Welt. Die Zeiten, in denen der legendäre Vorstandschef der Deutschen Bank, Hermann Josef Abs, nicht weniger als 24 Aufsichtsratsposten ausüben konnte, sind längst vorbei. 1965 wurde die "Lex Abs" eingeführt, um die Anzahl der individuellen Aufsichtsratsmandate zu beschränken. Jetzt, da die unternehmerischen Zusammenhänge noch direkter und viel kritischer - von Medien und Aktionären - unter die Lupe genommen werden, üben sich die Manager in Bescheidenheit.

Ämterhäufung adieu, dezenter Jobverzicht ist en vogue. Die Vorstandsvorsitzenden der Publikumsgesllschaften beerben sich nicht mehr durch einen automatischen Aufstieg zum Aufsichtsratschef.

In Großbritannien ticken die Uhren aber anders - besonders bei der traditionsreichen Bekleidungskette Marks & Spencer, wo bekanntlich jeder vierte männliche Brite seine Unterhosen kauft. Der erfolgreiche Vorstandschef Stuart Rose, neulich von der Königin zum Ritter geschlagen, hat sich um das Unternehmen verdient gemacht. Der stets korrekt gekleidete Rose hat das fade wirkende M&S-Sortiment aufgefrischt, die Firma wieder profitabel auf Kurs gebracht.

Da der Konzernaufseher, Chairman Lord Terry Burns, in den Ruhestand tritt, hat sich Rose zum "Executive Chairman" bestellen lassen - praktisch zum Aufsichtsrats- und Vorstandschef in Personalunion. Doch institutionelle Investoren wie Legal & General oder Schroders monieren den Schachzug. Dies sei ein doppelter Verstoß gegen den Corporate-Governance-Kodex. Damit in den Vorständen von den sogenannten Non-Executive Directors adäquate Kontrollrechte auf die operativen Manager ausgeübt werden könnten, sollte der Vorstandschef als Geschäftsführer nie sein eigener Nachfolger als Chairman werden. Außerdem sei aus Gründen der sauberen Kontrolle eine Doppelfunktion als "Executive Chairman" zu vermeiden. Der Chairman müsse den Chief Executive überwachen, könne daher unmöglich dieselbe Person sein!

Wird eine Lex Rose eingeführt, damit für den M&S-Lenker "La vie en rose" weniger rosig wird? Die City rätselt. Wenn der Fall Rose in seinem Sinne entschieden wird, dann kaufen einige Anleger ihre Unterhosen künftig woanders ein.

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