Marsh On Monday
Spielplatz Rohstoffmarkt

Die aufstrebenden Schwellenländer definieren ihre Rolle als Akteure an den Finanzmärkten neu. Der Versuch Chinas, eine 147-Milliarden-US-Dollar-Offerte des Rohstoffkonzerns BHP Billiton für den Rivalen Rio Tinto zu sabotieren, ist ein gutes Beispiel dafür. Unklar bleibt nur, mit welchen Zielvorgaben sich die Chinesen in das Schlachtgetümmel stürzen.
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HB. Bislang hat der staatliche chinesische Aluminiumhersteller Chinalco zusammen mit dem US-Metallkonzern Alcoa einen Anteil von neun Prozent am Aktienkapital von Rio Tinto gekauft. Obwohl das chinesische Konglomerat die BHP-Offerte nicht einfach abwürgen kann, ist es in der Lage, das eigene Angebot so stark heraufzusetzen, dass der Deal für den australischen Konkurrenten unlukrativ wird.

Die Initiative von Chinalco lässt sich dabei unter kommerziellen Gesichtspunkten nur teilweise rechtfertigen. Denn der chinesische Konzern hat offensichtlich lediglich Interesse an der Übernahme eines Teils der Rio-Tinto-Aktivitäten. So ist es wahrscheinlich, dass politische Überlegungen den Ausschlag gegeben haben, in das Rennen einzusteigen. Es geht der Regierung in Beijing ganz offensichtlich auch darum, sich Einflussmöglichkeiten und den Zugang zu den globalen Rohstoffvorräten zu sichern. Ein gezieltes Bremsmanöver gegen die Bildung eines weltweiten Eisenerzkonglomerats dürfte damit eine Art Staatsziel der chinesischen Machthaber sein.

In einem demokratisch geführten Land würden solche Nacht- und Nebelaktionen eine stürmische Debatte im Parlament und in der Presse auslösen. Das wird der Ein-Parteien-Staat nicht zulassen. Aber je undurchsichtiger er die Operation vorantreibt, desto größer ist erfahrungsgemäß der internationale Widerstand. Solange China in dieser Sache nicht für mehr Transparenz sorgt, besteht die Gefahr, dass das Land auf politischem Parkett an Einfluss verliert.

Auch im eigenen Interesse müsste China daher an einem realistischen Gebot für Rio Tinto gelegen sein. Beteiligt es sich nicht an den westlichen Spielregeln, kann auf vielen wirtschaftlichen Ebenen gegen das Land zurückgeschossen werden - zum Beispiel mit Zöllen oder Kapitalbeschränkungen. Das wird kaum im Sinne der aufstrebenden Großmacht sein.

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