MBIA
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Gary Dunton, der Ex-Chef von MBIA, war schon über angeblich skrupellose Leerverkäufer und unfaire Rating-Agenturen hergezogen. Jetzt bläst sein Nachfolger, Jay Brown, in dasselbe Horn. Den MBIA-Aktionären wäre vielleicht besser gedient, wenn die Chefs nicht immerzu nach Schuldigen für die Schwierigkeiten des Kreditversicherers suchten, sondern diese endlich lösten.

Wenn ein Unternehmenschef schon Leerverkäufer für die Probleme im eigenen Unternehmen verantwortlich machen muss, dann muss er wirklich verzweifelt sein. Daran gemessen, sehen die Chefs von MBIA todunglücklich aus. Gary Dunton, dem im vergangenen Monat die Tür gewiesen worden war, zog über die Investoren Bill Ackman und andere her. Sie sollen nach Meinung von Dunton Fehlinformationen über den Kreditversicherer verbreitet haben.

Dunton weigerte sich während einer Telefonkonferenz zu den Unternehmensergebnissen, auf Ackmans Fragen zu antworten. Während seiner Anhörung vor dem US-Kongress im Februar attackierte er darüber hinaus die Rating-Agenturen. Und jetzt bläst der neue CEO von MBIA, Jay Brown, in dasselbe Horn. Die Aktionäre des Bondversicherers sollten darauf hoffen, dass er mit den Schuldzuweisungen aufhört und endlich anfängt, die Probleme von MBIA zu lösen.

Browns letztes Schreiben ist ein extrem peinlicher „Brief an die Eigentümer“, bei dem selbst ein Postskriptum nicht fehlt, in dem er zugibt, wie ungeschickt er sich mit der Textverarbeitungssoftware anstellt. Das scheint Teil eines Manövers zu sein, um die Aufmerksamkeit von viel größeren Fehlern abzulenken. Schließlich hatte er MBIA während des verheerenden Vorstoßes der Firma in den Bereich der strukturierten Finanzen geleitet.

Nehmen wir einmal seine Vorwürfe gegen die Rating-Agentur Fitch. Er bemerkt, dass der Anteil von Fitch am Markt für strukturierte Finanzprodukte weit hinter denen von Moody’s und S&P zurückbleibt. Die beiden letzteren würden daher viel mehr Abschlüsse, die MBIA versichert, auf ihre Bonität prüfen. Fitch ist zudem der schärfste Kritiker der Branche. Brown lässt deutlich durchblicken, dass dies auf die Unerfahrenheit der Rating-Agentur zurückzuführen sei: “Es ist keine Überraschung, dass die Kapitalbedarfsrechnung von Fitch für die öffentliche und die strukturierte Finanzwirtschaft sich so stark von den Kapitalmodellen der anderen Rating-Agenturen unterscheidet, wenn man Fitchs relativ bescheidenen Anteil sowohl am Neugeschäft und als auch an unserem bestehenden Portfolio bedenkt.“

Man kann nur darüber spekulieren, wie Fitch es aufnehmen wird, als Anfänger verteufelt zu werden. Wichtiger aber ist, dass Brown mit seinen Argumenten das Pferd von hinten aufzäumt. Wenn MBIA der Meinung ist, dass Fitch – und damit im weiteren Sinn auch die Investoren des Kreditversicherers – über zu wenige Informationen verfügen, um die Firma angemessen zu beurteilen, so wie Brown das impliziert, dann sollte er dafür sorgen, dass das Unternehmen seine Praxis der Offenlegung verbessert und nicht nur im privaten Kreis Informationen mit S&P und Moody’s austauscht.

Dann ergeht sich Brown in ellenlangen Erklärungen, warum MBIA nach der Neubewertung in seinem Portfolio für strukturierte Finanzprodukte einen Verlust von 3,7 Mrd. Dollar ausweist. Hierbei, so erklärt er, handele es sich nicht um einen realisierten Verlust. Und das stimmt auch gewiss. Aber dann macht Brown einen Vorstoß ins Absurde, indem er schreibt: „… wir glauben, dass sich die Neubewertungsverluste …, wenn eine weitere Kreditbeeinträchtigung ausbleibt, mit der Zeit vollständig in ihr Gegenteil verkehren werden.“

Das klingt nach einem ziemlichen Kraftakt, wenn man berücksichtigt, dass das Portfolio CDOs und CDO-Squareds ausgesetzt ist, die mit Subprime-Vermögenswerten belastet sind. Brown behauptet, mangelnde Kenntnis über die Fair Value-Bilanzierung habe den Aktienkurs des Unternehmens in Mitleidenschaft gezogen. Aber MBIA fühlte sich nicht dazu gedrängt, ähnliche Erklärungen über den Neubewertungsgewinn, dessen sich die Firma in den vergangenen Jahren erfreut hatte, abzugeben.

Browns lange Liste der Anklagen hat den freien Fall der MBIA-Aktien nicht gestoppt. Die Investoren sind nicht an Schuldzuweisungen interessiert, besonders nicht wenn sie fadenscheinig sind. Sie wollen Lösungen. Brown sollte seinen Füller wegpacken und sich an die Arbeit machen.

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