Mediengeschäft
KKR und Bertelsmann: In diesem Joint Venture ist Musik drin

KKR und Bertelsmann bündeln ihre Kräfte und können sich so auf einen der krisenfestesten Bereiche im Musikgeschäft stürzen: den Handel mit Musikrechten. Angesichts der Verwerfungen im klassischen Geschäft mit CDs und ungeklärter Besitzverhältnisse bei Sammlungen wie der von Michael Jackson könnte das Timing des Deals zwischen dem Finanzinvestor und der Mediengruppe gar nicht besser sein.
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Für Henry Wadsworth Longfellow war die Musik "die universelle Sprache der Menschheit". Für die Partner der Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) mag wohl eher Geld die Lingua Franca der Menschen sein. Aber bringt man Geld und Musik zusammen, kann daraus manchmal ein Hit entstehen.

Indem die Buyout-Firma unter der Leitung von Henry Kravis sich mit der Mediengruppe Bertelsmann zusammenschließt, könnte sie sich einige der feinsten Happen im Musikgeschäft sichern: die Copyrights auf die musikalischen Werke der Künstler. Angesichts der Verwerfungen im Geschäft mit CDs und anderen Tonträgern und ungeklärter Besitzverhältnisse bei Sammlungen wie der von Michael Jackson werden sie wahrscheinlich aus einer Fülle von Vermögenswerten wählen können.

Die weite digitale Verbreitung von Musikstücken hat es Unternehmen wie Warner Music und EMI erschwert, Geld mit ihrem traditionellen Geschäft, neue Künstler aufzuspüren und deren Stücke zu vermarkten, zu verdienen. Doch im Copyright-Segment lassen sich immer noch gute Gewinne erzielen. Im Quartal per Ende März verbuchte der Verlagsbereich von Warner Betriebsgewinnspannen von 40 Prozent - das ist vier Mal so viel wie bei den Musikaufnahmen.

Einige Copyright-Eigentümer wie die hoch verschuldete britische EMI werden vielleicht einen Teil ihrer Vermögenswerte verkaufen müssen, um weiter Schulden zurückzuzahlen und ihren Bereich Musikaufnahmen auf Vordermann zu bringen. Gleichermaßen könnte Warner es anstreben, einen Teil ihrer Sammlung zu Geld zu machen, um damit eine Offerte für den Zweig CDs und klassische Tonträger von EMI mit zu finanzieren, sollten deren Besitzer bei der Beteiligungsgesellschaft Terra Firma verkaufen wollen.

Und die Hinterlassenschaft des jüngst verstorbenen King of Pop und des in dieser Woche verschiedenen ehemaligen Managers der Rolling Stones, Allen Klein, könnten ebenfalls auf den Markt kommen. Jacksons Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen mit Sony, das die Rechte auf einen Großteil des Werks der Beatles hält, war in einer Buchprüfung aus dem Jahr 2007 auf etwa 390 Mill. Dollar geschätzt worden.

Auch wenn Bertelsmann das Musikgeschäft im vergangenen Jahr an Sony verkauft hat, waren einige der Spitzenkräfte dennoch an Bord geblieben. Bertelsmann hat zudem einen Teil der Musikrechte behalten. Das Know-how zum Aufbau eines Rechtevermarkters ist also vorhanden. Und jetzt fließt auch noch das Geld dafür. KKR steuert 50 Mill. Euro für einen Anteil von 51 Prozent bei und hat weitere 200 Mill. Euro für weitere Akquisitionen zugesagt.

Das wird nicht reichen, um sich Jacksons Anteil an der Beatles-Sammlung in seiner Gesamtheit einzuverleiben. Aber da die Konkurrenten im Kampf um derartige Trophäen sich derzeit selbst mit Schwierigkeiten auseinander setzen müssen, könnte das Joint Venture auf jeden Fall prächtig mitmischen. Und bei dem implizierten Preis, den KKR für die 300 Künstlerverträge im Bertelsmann-Katalog zahlt, hat das Unternehmen genug finanzielle Mittel, um sein Portfolio in kürzester Zeit zu verdoppeln.

Die Branche mag immer noch daniederliegen, aber in diesem Joint Venture ist Musik drin.

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