Medienzaren
Wer bringt es ihnen bei?

Die ergrauten Medienbosse von CBS, IAC und Comcast versuchen verzweifelt zu beweisen, dass sie auf der Höhe der Zeit sind, indem sie Internet-Sites von CNET bis Plaxo kaufen. Leider sehen die neuen Outfits, mit denen sie sich schmücken, ein wenig schlaff und überteuert aus. Und die neuen Kleider scheinen auch nicht recht zur bereits vorhandenen Garderobe zu passen.

Medienchefs und ihre Unternehmen haben generell ihre Probleme damit, in Würde älter zu werden. Aber die Bosse von CBS, Comcast und IAC versuchen geradezu verzweifelt zu beweisen, dass sie auf der Höhe der Zeit sind, indem sie sich auf die neuen Medien stürzen. So übernimmt CBS CNET Networks, Comcast kauft Plaxo und IAC versucht es mit Lexico Publishing. Leider sehen die neuen Outfits ein wenig schlaff und überteuert aus. Und sie passen auch nicht so recht zu der bereits vorhandenen Garderobe der Medienzaren.

Nehmen wir einmal die Übereinkunft von CBS, CNET für 1,8 Mrd. Dollar zu kaufen. Als der Sender von Viacom abgespaltet wurde, stand er in dem Ruf, ein Goldesel zu sein. Aber der Chef der Firma, Les Moonves, wollte stattdessen auf Wachstumskurs gehen – und redete etwa davon, “die nächste YouTube zu kaufen“. Im vergangenen Jahr waren die Einnahmen von CNET allerdings nur um fünf Prozent geklettert – ein bisschen anders als bei YouTube. Dafür das 45fache des geschätzten freien Cash Flow zu zahlen, ist sonderbar.

Und dann ist da IAC. Das Unternehmen scheint erkannt zu haben, dass es sich gezielt neu ausrichten muss – eine Aufspaltung in fünf Bereiche ist geplant. Doch der Unternehmenschef Barry Diller scheint es darauf abgesehen zu haben, den Bereich Ask.com in eine Tochter umzuwandeln, die alles aufnimmt, was das Internet so zu bieten hat. Er ist gerade dabei, Lexico, den Eigentümer von Dictionary.com, zu übernehmen. Diller ist es nicht gelungen, aus IAC mehr zu machen als die Summe ihrer Teile. Es ist schwer zu verstehen, warum ein Mischmasch an Internet-Sites dabei erfolgreicher sein sollte.

Auch der Deal von Comcast, die soziale Netzwerk-Site Plaxo für mehr als 100 Mill. Dollar zu kaufen, sieht eigenartig aus. Die Kabelgruppe hat seit 1999 mehr als 80 Mrd. Dollar für Akquisitionen ausgegeben, aber sie ist dabei nicht in die Nähe von Renditen gekommen, die ihre Kapitalkosten abdecken. Comcast behauptet, Plaxo biete ihren Kabelkunden nützliche Dienste wie den Austausch von Fotos und Online-Adressbücher. Vielleicht. Aber warum sich die Firma auf diesen Gebieten unbedingt mit Google anlegen muss, bleibt unklar.

Die Aktien der drei Bieter tendieren allesamt nach unten. Die Aktionäre versuchen, den Medienbossen beizubringen, dass ihre Anschaffungen nicht cool sind. Mit etwas Glück kommt die Botschaft an und sie werden vielleicht darauf verzichten, ihre Garderobe mit weiteren unpassenden Outfits zu erweitern.

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