Mediobanca
Déjà vu

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Mediobanca will die Aufteilung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank, die gerade einmal vor einem Jahr eingeführt wurde, wieder abschaffen. Cesare Geronzi will vielleicht nur dafür sorgen, dass der Prozess der Entscheidungsfindung verbessert wird. Das wäre akzeptabel. Aber wenn der als zäher Machtmensch geltende Bankier nur seinen persönlichen Einfluss steigern will, wäre dies nicht in Ordnung.

Cesare Geronzi entfesselt gerade einen Sturm bei der italienischen Mediobanca. Der einflussreiche Chef des Aufsichtsrats des Kreditinstituts für Industriefinanzierungen will die duale Verwaltungsstruktur der Bank wieder aufheben - gerade einmal ein Jahr nach ihrer Einführung. Wenn er dabei nur darauf abzielt, den Prozess der Entscheidungsfindung zu verbessern und Mediobanca zu mehr Effizienz zu verhelfen, dann ist das in Ordnung. Aber wenn Geronzi damit nur seinen persönlichen Einflussbereich ausdehnen will, ist dies nicht akzeptabel.

Die Unterscheidung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat ist die Norm in Nordeuropa. Der Aufsichtsrat ist mit der Strategie befasst und setzt sich fast ausschließlich aus nicht hauptberuflich in dem betreffenden Unternehmen tätigen Mitgliedern zusammen. Der Vorstand kümmert sich um das laufende Geschäft. Aber diese duale Struktur scheint aus der Mode zu kommen. Der französische Einzelhändler Carrefour hat gerade das eigene Verwaltungssystem aus Gründen der Effizienz vereinfacht.

Mediobanca war erst im vergangenen Jahr in die andere Richtung marschiert, als Geronzi Aufsichtsratsvorsitzender geworden war. Die duale Struktur war als Bruch mit der Vergangenheit der Bank als dem machtvollen Institut für die italienische Führungsschicht, für den "salotto buono", und als Kontrollinstanz für jegliche Interessenskonflikte gewertet worden. Und diese könnten tief greifend sein, da die Aktionäre von Mediobanca einige der gewichtigsten Namen der italienischen Politik- und Finanzwelt umfassen.

Alessandro Profumo, der Chef von Unicredit, der zweitgrößten Bank Italiens und größter Einzelaktionär bei Mediobanca, ist nicht glücklich darüber, wie Geronzi seinen Plan vorangetrieben hat. Der Aufsichtsratsvorsitzende hat den Spitzenmanagern der Bank, Alberto Nagl und Renato Pagliaro, erst von seinem Vorhaben erzählt, als der Prozess schon lange eingeleitet war, berichten mehrere mit der Situation vertraute Personen. Das hat Nagl und Pagliaro heftig gegen Geronzi aufgebracht.

Das klingt vertraut? Nun, Krach zu schlagen, ist nichts Ungewöhnliches für Geronzi. Gerade einmal vor 18 Monaten hatte sich die graue Eminenz in einen Machtkampf mit einem anderen jüngeren Vorstandsvorsitzenden verbissen. Damals leitete Geronzi die Capitalia und der jüngere Chef war Matteo Arpe, der Liebling ausländischer Investoren, der in fünf Jahren einen Anstieg des Aktienkurses um das Fünffache hinbekommen hatte. Am Ende hat Arpe das Unternehmen verlassen. Geronzi sollte bei Mediobanca keine Neuauflage anstreben.

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