Merck
Der Schatz in Übersee

Merck muss seinen enormen Geldberg anbohren, um den Konkurrenten Schering-Plough übernehmen zu können. Aber das Geld steckt im Ausland fest. Es einfach nach Hause zurückzuholen, würde eine Steuerzahlung auslösen. Doch Merck ist ein Manöver eingefallen, wie sich dies umgehen lässt: Der Pharmagigant bedient sich einem Überbleibsel aus einer alten Schering-Übernahme. Ein cleverer Dreh.
  • 0

Das Ansinnen, den US-Pharmakonkurrenten Schering-Plough zu schlucken, hatte Merck jüngst in eine missliche Lage gebracht. Fallende Bewertungen hatten den Deal billig erscheinen lassen. Zudem hat Merck, wie viele andere Pharma- und Technologieunternehmen, einen enormen Geldberg zu seiner Verfügung, auf den die Firma nur zuzugreifen braucht. Der Haken daran: Der Großteil des Geldes steckte im Ausland fest. Es einfach nach Hause in die USA zu transferieren, hätte eine Steuerbelastung von bis zu 35 Prozent des Betrags nach sich gezogen. Zu seinem Glück hat der Pharmariese einen Weg gefunden, um das Problem zu umgehen.

Die Lösung war in der Akquisition der niederländischen Pharmagruppe Organon durch Schering im Jahr 2007 versteckt. Diese Transaktion hatte dazu geführt, dass eine Schering-Tochter im Ausland der Muttergesellschaft fast zehn Mrd. Dollar schuldete. Merck und seine Finanzberater erkannten, dass sie, wenn sie die Auslandsaktivitäten der beiden Unternehmen zusammenlegten, den im Ausland liegenden Bargeldberg dafür einsetzen könnten, einen Teil dieser Schulden zurückzuzahlen. Somit hielt dann die alte Schering das Geld in den USA. Eine Steuerzahlung wurde nicht fällig, weil die Transaktion als Rückzahlung und nicht als Repatriierung von Gewinnen gilt.

Damit wurde der Abschluss zusätzlich versüßt - für Merck wurde der Deal vielleicht noch einmal um mehr als eine Mrd. Dollar wertvoller, als er es sonst gewesen wäre. Das ist genau die Art von cleverem Kniff, die einem M&A-Banker selbst jetzt noch ein Kichern entlockt - auch wenn seine Welt um ihn herum versinkt.

Kommentare zu " Merck: Der Schatz in Übersee"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%