Milliarden-Skandal
Geld in Narrenhänden

Hat nur ein Händler der französischen Großbank die US-Notenbank Federal Reserve zum Narren gehalten? Denn die Auflösung des milliardenschweren Aktienportfolios trug zum Crash am Montag bei. Und dieser Absturz war die Begründung für die Zinssenkung in den USA. Die Notenbank hätte aber auch so bald einen anderen Grund dafür gefunden.

Der US-Notenbankrat nannte seine drastische Zinssenkung eine Antwort auf die Verschlechterung der breiteren Finanzmarktumstände. Dabei dominierte vor allem ein Umstand die Diskussion der sechsprozentige Absturz der europäischen Aktien am Montag, als die US-Börsen wegen eines Feiertages geschlossen blieben. Wenn die US-Handelsplätze diesem Beispiel gefolgt wären, hätten die globalen Märkte sich einem Zusammenbruch nähern können.

Es sieht allerdings so aus, als ob der hohe Tagesverlust nicht von Scharen von Händler verursacht wurde, die sich in eine Masse verzweifelter Verkäufer verwandelten. Der Absturz wurde verstärkt, wenn nicht ausgelöst, durch nur eine sehr große Transaktion: Die Société Générale liquidierte ein unautorisiertes Aktienportfolio, das ein betrügerischer Händler aufgebaut hatte. Die Bank muss dabei Aktien im Wert von rund 50 Milliarden Euro verkauft haben, dies entspricht dem Wert der auf steigende Kurse abzielenden Long-Positionen, die bestanden haben müssen, um fünf Milliarden Euro in den ersten paar Wochen des Jahres 2008 zu verlieren. Das sind genug Verkaufsorder, um Märkte in einen scheinbar freien Fall zu treiben.

Vielleicht hat Jerome Kerviel, der beschuldigte Händler, nicht nur die vorgeblich exzellenten Kontrollsysteme der SocGen ausgetrickst. Er könnte auch eine der führenden Zentralbanken der Welt zum Narren gehalten haben.

Dennoch sollte Kerviel sich nicht zu mächtig fühlen. Die Fed hatte sicher noch andere Sorgen: eine sich verschlechternde Wirtschaftslage und stark unterkapitalisierte Monoline-Versicherer, die sich ausschließlich auf die Versicherung von Kapitalmarkt-Transaktionen spezialisieren. Nebenbei: Die Zinsschere steht immer zur Kürzung bereit, wenn das Jammern an den Finanzmärkten zu schrill wird. Selbst wenn also Montag kein schlimmer Tag an der Börse gewesen wäre, hätte die Fed wohl sehr bald einen anderen Grund gefunden, um ihren dramatischen Zinsschritt zu wagen.

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