Millionäre
Die Illusion des Reichtums

Ein Dollar-Millionär in einem reichen Land zu sein, ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Dafür sorgt die zermürbende Inflation. Die fallenden Preise für Vermögenswerte sind auch nicht gerade sehr hilfreich. Aber in den sich entwickelnden Ländern gibt es mehr Schätze zu heben. Und das Geld reicht viel länger.

Wenn Sie schon zu den Millionären gehören, dann sind Sie vielleicht froh zu hören, dass der Club nicht mehr so rasant wächst wie früher. Im vergangenen Jahr waren etwa 10,1 Millionen Angehörige dieser Spezies über den Erdball verstreut, wie aus dem World Wealth Report hervorgeht, der von Merrill Lynch und Capgemini veröffentlicht worden ist. Dies entspricht in etwa der Bevölkerung Belgiens. Die virtuelle Nation der Wohlhabenden ist damit um sechs Prozent expandiert - zwar viel schneller als das Königreich der Schokolade und der Waffeln, aber doch so langsam wie seit vier Jahren nicht mehr.

Die Zahlen geben allerdings nicht die ganze Geschichte wider. Fragen Sie die 30 Prozent der Millionäre, die in den USA leben. Angesichts der kräftig steigenden Inflation ist ein Eigenkapital von einer Mill. Dollar - die bescheidene Hütte nicht mit eingeschlossen - kaum ein Grund zur Angeberei. Der Jahresertrag von 43 000 Dollar, der dabei herausspringt, wenn man eine Mill. Dollar in zehnjährige Staatsanleihen steckt, würde Ihnen nicht einmal den Zutritt in die Mittelschicht verschaffen.

In den sich entwickelnden Ländern ist das schon ein bisschen anders. Die Produktivität ist gering, daher sind die Löhne niedrig, und Dienstleistungen sind billig zu haben. Das bedeutet, dass man weit weniger als eine Mill. Dollar braucht, um wie ein echter Millionär zu leben. Das Beste, was man tun kann, ist, seine Einkünfte in einer harten Währung - der US-Dollar tut es gerade noch so - zu beziehen und sich dann in einem armen Land mit einem unterbewerteten Wechselkurs anzusiedeln.

Doch selbst dort gibt es Unterschiede. Die Gewinne am Aktienmarkt, zum Beispiel, sind oft so leicht zerronnen wie gewonnen. Leicht gewonnen waren sie 2007 in Indien und China, den beiden führenden Ländern, was frisch gebackene Millionäre angeht. Der Sensex-Index für die wichtigsten indischen Aktien an der Bombay Stock Exchange zog um 47 Prozent und der Shanghai Composite-Index um 96 Prozent an.

Wenn die Entwicklung an der Börse in diesem Jahr allerdings so weitergeht wie bisher, dann könnte die Studie im kommenden Jahr eine Rekordzahl an Ex-Millionären aufweisen. Der indische Markt hat 30 Prozent und die Börse in Shanghai sage und schreibe 50 Prozent verloren. Millionär zu sein, könnte wieder etwas Besonderes werden. Wenn sich nur die Inflation zähmen ließe.

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