Morgan Stanley
Der geschenkte Gaul

Das Kapital und die Liquidität von Morgan Stanley sehen solide aus. Aber der Quartalsgewinn über 1,6 Mrd. Dollar der Wall Street-Firma beruhte zu einem erheblichen Teil auf den Erlösen aus dem Verkauf eines Teils von MSCI und auf den Abschreibungen ihrer eigenen Kreditverbindlichkeiten. Im gegenwärtigen Umfeld ist jeder Gewinn ein guter Gewinn. Doch bei den Kosten wird sich etwas tun müssen.

Morgan Stanley hat sich wacker bei dem Versuch geschlagen, etwas Ruhe in die verängstigten Märkte zu bringen. Die Wall Street-Firma hat am Dienstag nach Börsenschluss die Vorlage ihrer Drittquartalsergebnisse um einen Tag vorgezogen und einen Gewinn von 1,6 Mrd. Dollar und eine Eigenkapitalrendite von 16,5 Prozent präsentiert – weit über den Erwartungen der Analysten. Im nachbörslichen Handel legten die Titel des Instituts um etwa 13 Prozent zu und machten damit sämtliche während der regulären Sitzung erlittenen Verluste wieder wett. Aber die Ergebnisse waren nicht so gut wie der Gewinn nahe legt.

Damit soll nicht übersehen werden, wie gut sich einige Teile der Firma entwickelt haben: Der Bereich für Handel, Wertpapierleihe und Verrechnung für Hedge Fonds, also die Prime Brokerage, verbuchte Rekordresultate, die Einnahmen beim Handel mit Rohstoffen wurden gegenüber einem zugegebenermaßen schwachen zweiten Quartal mehr als verdoppelt, und der Aktienhandel schnitt ebenfalls gut ab.

Darüber hinaus konnte Morgan Stanley, wie zuvor Goldman Sachs, über eine solide Kapital- und Liquiditätsausstattung berichten. Zudem weist die Bank das niedrigste Netto-Engagement unter ihren Konkurrenten bei zweifelhaften Vermögenswerten im Bereich Gewerbe- und Wohnimmobilien aus. Und der Nettoverschuldungskoeffizient ist auf weniger als das 13fache des Eigenkapitals zurückgeführt worden.

Aber die Firma musste weitere 1,3 Mrd. Dollar an Abschreibungen hinnehmen, sowie einen außerordentlichen Aufwand über 288 Mill. Dollar für die Abrechnung von Auction-rate Securities, also von festverzinslichen Wertpapieren mit langer Laufzeit, die wie Kurzläufer funktionieren. Und Immobilienabschreibungen im Private-Equity-Portfolio zogen den Bereich Asset Management in negatives Territorium. Das hat dazu geführt, dass sich die Firma darauf verlassen musste, dass die Erlöse aus dem Verkauf eines Anteils an MSCI und die Abschreibungen eigener Kreditverbindlichkeiten praktisch alle Gewinne beisteuerten.

Zugegeben, der Gewinn aus den sich ausweitenden Kreditspannen der Firma und die Verluste aus Abschreibungen, beides sind Bilanzierunsgeffekte, hielten sich weitgehend die Balance – auch wenn es keine Gründe dafür gibt, dass sich dieses Verhältnis auch in Zukunft so gestalten muss. Wichtiger ist, dass in diesem Umfeld alle Gewinne gute Gewinne sind. Und Morgan Stanley ist in einer guten Ausgangslage, um Gewinne besserer Qualität zu erzielen, wenn sich die Märkte erst einmal so weit erholen, dass solche Bilanzierungsabsonderlichkeiten und außerordentliche Gewinne abgelöst werden können.

Bis dahin sollte es sich der Chef der Bank, John Mack, vielleicht überlegen, ob er nicht bei den Ausgaben das Messer ansetzen muss, um die Ergebnisse zu stützen.

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