Münchener Rück
Die Rückkehr des Rückkaufs

Die Münchner Rück nimmt den Rückkauf eigener Aktien wieder auf. Damit ist er der seltene Fall einer Finanzinstitution, die Kapital zurückgibt. Der Rückversicherer ist aber in einer außergewöhnlich starken Position. Für die meisten Finanzfirmen einschließlich der Versicherungen muss Kapitalschutz an oberster Stelle der Tagesordnung stehen.
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Axa-Chef Henri de Castries hat offenbar Vorahnungen. Einen Tag, nachdem er die europäischen Versicherer als angemessen kapitalisiert bezeichnete, scheint die Münchener Rück seine Worte zu bestätigen, indem sie die Wiederaufnahme des Rückkaufs eigener Aktien ankündigt. Das ist richtig. Ein großes Finanzinstitut nimmt kein Kapital auf, sondern gibt es zurück, durch das im Aufschwung populäre Mittel des Aktienrückkaufes.

Nach einer Reihe kapitalstärkender Maßnahmen europäischer Banken hätten Anleger schon glauben können, dass sie bei Finanzinstituten nie wieder Rückkäufe erleben werden. Doch der deutsche Rückversicherer will bis zum kommenden April eine Milliarde Euro für Aktienrückkäufe ausgeben. Zum derzeitigen Kurs würde dies bedeuten, dass die Kapitalbasis um 4,7 Prozent verringert würde. Die Gruppe schätzt ihren Kapitalpuffer nach eigenen Standards auf sieben Milliarden Euro. Aus regulatorischer Sicht hat man damit mehr als doppelt soviel Kapital wie nötig. Weil die Münchener Rück auch intern Kapital generiert, kann sie sich die Maßnahme wohl leichter leisten.

Versicherer hatten eine schwere Zeit, als fallenden Märkte ihre Vermögenswerte schmelzen ließen und Abschreibungen, Dividendenkürzungen und Kapitalerhöhungen erzwangen. Anleger hatten ihrerseits mehr und mehr genug von der obskuren Buchführung und Undurchsichtigkeit im Sektor.

Die Münchener Rück hat den Sturm aber besser als die meisten Wettbewerber überstanden, ihre Aktie fiel um rund 30 Prozent in den Monaten vor dem Markttief im März. Im ganzen Jahr 2008 verkaufte der Versicherer Aktien, nach Absicherungsmaßnahmen macht diese Anlageklasse nur noch zwei Prozent der Gesamtanlagen aus. Staatsanleihen, die 2008 im Wert stiegen, haben einen Anteil von 30 Prozent. Die Prämien legten im zweiten Quartal um zehn Prozent zu.

Trotzdem erscheint eine Kapitalrückgabe zu dieser Zeit als ein mutiger Schritt, auch für eines der robustesten Finanzinstitute. Steigende Staatsverschuldungen, außer Kontrolle geratende Inflation und eine deutliche Aktienmarktkorrektur könnten gleichermaßen sowohl kurz- als auch langfristige Anlagen in Mitleidenschaft ziehen. Auch der regulatorische Ausblick ist unklar, die Auswirkungen der Aufsichts- und Eigenkapitalregeln der Solvency-II-Richtlinie sind noch immer nebulös. Und, nicht zu vergessen, auch eine Reihe von Naturkatastrophen oder auch ein einzelner großer Wirbelsturm könnte die Kapitalbasis schnell verringern.

Angesichts dessen könnte es als Unglück durchgehen, einen Aktienrückkauf einmal zu verschieben. Würde er zweimal verschoben, würde man dies als fahrlässig betrachten.

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