New York Times
Die lästige Fliege ist weg

Morgan Stanley hatte den Stil immer lautstark kritisiert, mit dem die Familie Sulzberger die „New York Times“ (NYT) führt. Die Investmentbank, die mit 7,2 Prozent an der NYT beteiligt war, hat jetzt aufgegeben. Aber das löst die Probleme des Clans in keiner Weise.

Der lauteste Kritiker des Führungsstils der Familie Sulzberger hat aufgegeben. Kann die Familie, die die New York Times Co. mit aufgeblähten Stimmrechtsaktien kontrolliert, nun jubilieren?

Mit der Entscheidung der Asset Management-Division von Morgan Stanley, ihren 7,3-prozentigen Anteil an dem Verlagshaus zu verkaufen, wird sicher ein großer Dorn aus dem Auge der Familie entfernt. Schließlich hatte Hassan Elmasry, ein leitender Portfolio-Manager von Morgan Stanley, das Unternehmen wiederholt belagert, ihre zweigleisige Aktienstruktur aufzugeben. Und er hatte die schleppende Entwicklung der Firma kritisiert. Elmasry zermürbt zu haben, könnte sich aber als Pyrrhus-Sieg herausstellen.

Wie denn das? Nun, die Familie klebt an einem Vermögenswert - den Aktien des Verlagshauses, der in den vergangenen fünf Jahren mehr als die Hälfte seines Werts verloren hat. Nachdem der Anteilsverkauf durch Morgan Stanley bekannt geworden war, gaben die Aktien noch einmal um 2,5 Prozent nach.

Das Unternehmen selbst gibt sich zuversichtlich: Sein Programm zur Kostensenkung und die Entwicklung seiner Tochter About.com und andere Initiativen würden längerfristig den Aktienkurs nach oben treiben. Aber wenn andere große Aktionäre zu dem Schluss kommen, dass es nur wenig Spielraum für eine Verbesserung gibt, dann könnten auch sie das Weite suchen. Und dann könnte irgendwann die Talfahrt der Aktien auch für die Familie Sulzberger zu schmerzhaft werden, als dass sie sie mit einem Achselzucken abtun könnte.

Natürlich haftet auch fallenden Kursen ein Hoffnungsschimmer an. Es wird dann billiger für die Familie, die Firma in eine Personengesellschaft umzuwandeln. Ihre Marktkapitalisierung liegt jetzt bei rund 2,7 Mrd. Dollar. Sagen wir einmal, es lassen sich durch Verkäufe von Anlagen, wie zum Beispiel dem neuen Hauptsitz der Firma und dem "Boston Globe", etwa 1,2 Mrd. Dollar erlösen. Wenn die Familie nun einen Aufschlag über 30 Prozent für die Aktien böte, die sich nicht in ihrem Besitz befinden, dann müsste sie nur noch neue Kredite über ungefähr 1,6 Mrd. Dollar aufnehmen.

Das ist nicht viel. Und es würde der Familie andere nervtötende Aktionäre vom Hals schaffen. Aber das ist nicht gerade ein guter Grund, die eigene Verschuldung zu erhöhen, besonders in einem Geschäft, in dem es darum geht, bei Investitionen in alte und neue Vorhaben flexibel zu sein.

Wenn die Familie die NYT in eine Personengesellschaft überführt, dann könnte es schwerer werden, schnell auftauchende Chancen zu nutzen. Und falls die Aktien weiter an Wert verlieren, dann könnte es die Familie noch einmal bedauern, dass Investoren mit starken Ansichten - wie Elmasry - entnervt aufgegeben haben.

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