Notenbanken
Die Fed tritt auf die Bremse

Die US-Notenbank will den Ankauf von Treasuries und Agency Securities drosseln. Wachsende Inflationsgefahren sieht sie nicht. Allerdings muss sie mehr als üblich darauf achten, dass sich keine neuen Blasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten bilden, damit sich die Fehler der vergangenen Jahre nicht wiederholen.
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Die Federal Reserve tritt auf die Bremse. Aber die vor ihr liegende Strecke verlangt immer noch höchste Aufmerksamkeit am Steuer. Der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) beschloss anlässlich seines Treffens am 12. August den Ankauf von Staatsanleihen und Schuldtiteln staatlicher Agenturen zu drosseln. Ein Anziehen der Inflationsraten erwartet der Ausschuss nicht. Allerdings muss er der Entwicklung auf den Aktien- und Rohstoffmärkten überdurchschnittliche Aufmerksamkeit widmen, wenn er vermeiden will, dass sich die Fehler der Jahre 2002 bis 2006 wiederholen.

Der FOMC will den Ankauf von Anleihen im Gesamtvolumen von 300 Milliarden US-Dollar in Treasuries, 1,25 Milliarden Dollar in hypothekenbesicherten Wertpapieren und 200 Milliarden Dollar in Papieren staatlicher Agenturen allmählich verlangsamen. Bis zum 31. Oktober soll das Programm beendet werden.

Das bedeutet, eine große Veränderung wird es nicht geben. Beide Programme - der Ankauf von Hypothekenpapieren und Staatsanleihen - sind zu rund 60 Prozent abgeschlossen. Allerdings wird die Fed den Ankauf von Treasuries drosseln müssen, da sie bereits Papiere im Wert von 253 Milliarden US-Dollar angekauft hat. Angesichts der Rekordauktion von 23 Milliarden US-Dollar in 10-jährigen Staatspapieren, die vom Markt noch kurz vor der Ankündigung des Bremsmanövers begrüßt, aber keinesfalls besonders enthusiastisch aufgenommen wurde, ist damit zu rechnen, dass der Rückzug aus dem staatlichen Anleihenankaufsprogramm in den kommenden Monaten zu anziehenden Renditen führen wird.

Mit dieser Entscheidung monetisieren die USA nur rund 8 Prozent ihrer jährlichen Staatsausgaben und damit viel weniger als Großbritannien, das sein 125-Milliarden-Pfund-Gilt-Ankaufsprogramm in der vergangenen Woche noch einmal um 50 Milliarden Pfund aufstockte. Die Inflationspessimisten wird das beruhigen - sie dürfte der FOMC bei seiner Zielsetzung auch im Auge gehabt haben.

Fed-Chef Ben Bernankes Amtsperiode endet im Januar und da er ein Kandidat der Bush-Regierung war, steht noch nicht fest, ob die Obama-Administration ihn erneut berufen wird. Nach einer Umfrage des Wall Street Journal findet er unter den Volkswirten große Zustimmung, er könnte jedoch trotzdem beabsichtigen, die Zweifel der selbst ernannten Inflationswächter zu zerstreuen, die sich Sorgen um seine expansive Geldpolitik machen.

Die Fed betonte noch einmal, dass die Inflation auf absehbare Zeit moderat bleiben werde. Energie- und Rohstoffpreise zogen allerdings an, während der Aktienmarkt seit Anfang März um 43 Prozent zulegte. Nachdem die Fed es zwischen 2002 und 2006 nicht verhindern konnte, dass sich an den Immobilien- und Kreditmärkten Blasen bildeten, muss sie die Preisentwicklung bei den Vermögenswerten und auch auf dem Konsumgütermarkt nun mit Argusaugen verfolgen, wenn sie die gesamte Palette der Inflationsrisiken in Schach halten will. Das heißt, der Markt erlebt vielleicht schneller als erwartet ein paar ausgefallene Lenkmanöver der Fed.

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