NYSE/Deutsche Börse
Börsen am Ende des Fusionsweges

Die Fusionsverhandlungen zwischen der Deutschen Börse und der NYSE Euronext sind vom Tisch. Bei einem Abschluss hätten die Börsenbetreiber hohe Hürden bei den Wettbewerbshütern überwinden müssen. Der Versuch allein zeigt schon, welch großem Druck sie ausgesetzt sind.

Die Börsen sind am Ende des Fusionsweges angelangt. Die Deutsche Börse hatte wieder mit dem Gedanken gespielt, sich mit der NYSE Euronext zusammenzuschließen, hat jetzt aber offensichtlich diese Idee aufgegeben. Der mutmaßliche Deal zeigt zum einen, wie stark die Börsen von der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen werden, und zum anderen, wie stark eine jegliche weitere Konsolidierung ernsten kartellrechtlichen Bedenken ausgesetzt wäre.

Die Deutsche Börse hat in der Vergangenheit schon so manches Stelldichein in den Sand gesetzt. Zweimal hat sie die London Stock Exchange umworben, dann den Betreiber der Schweizer Börse, die SWX Group, die Borsa Italiana und die Euronext, die dann stattdessen von der NYSE gekapert wurde.

Die Verschmelzung von NYSE und Euronext hatte die weltgrößte Börse geschaffen. Aber die Deutsche Börse hat gegen die Bedrohung, die sie darstellt, gekämpft. Die Deutschen haben das Eurex-Geschäft, den von ihr kontrollierten Optionshandelsplatz, ausgebaut und den Wertpapierabwickler Clearstream erweitert.

Alle Börsen haben bei ihren Aktienkursen heftige Verluste hinnehmen müssen, aber die Deutsche Börse hat sich dennoch besser als der Durchschnitt entwickelt. Der Kurs ihrer Titel hat in diesem Jahr um rund sechzig Prozent nachgegeben - damit liegt er um mehr als zehn Prozentpunkte über dem von NYSE Euronext. Mit 9,54 Mrd. Euro ist die Kapitalisierung der deutschen Börse rund zweimal so hoch wie die von NYSE Euronext.

Durch diesen relativ starken Auftritt beflügelt, scheint es der Deutschen Börse auch gelungen zu sein, die Forderungen zweier Hedge Fonds - dabei handelt es sich um The Children?s Investment Fund und Atticus - nach einer Aufspaltung abzuschmettern. Tatsächlich ist die ernsthafte Überlegung, der NYSE Euronext erneut eine Verbindung anzutragen, auch eine Trotzhandlung gegenüber den aktivistischen Fondsmanagern.

Aber eine Fusion mit der NYSE Euronext wäre ohnehin gewagt gewesen. Die NYSE Euronext muss ihre Integration nach der Fusion im vergangenen Jahr erst noch zu Ende bringen. Zudem hat sie eigene ehrgeizige Pläne der organischen Expansion. Schlimmer noch: Die US-Aufsichtbehörden wollen keinen transatlantischen Clearingbetrieb, wenn sie für eine zentrale Wertpapierabwicklung für Kreditderivate, die auf dem Freiverkehrsmarkt gehandelt werden, plädieren. Und auch die europäischen Kartellbehörden haben ernste Bedenken, wenn die beiden dominanten Börsen der Eurozone fusionieren wollen.

Mega-Fusionen sind nicht mehr länger der offensichtliche Rettungsweg für die europäischen Börsen. Da sich jetzt auch noch Neuankömmlinge wie Turquoise bedrohlich an ihre Fersen heften, müssen die großen Börsen Kosten kürzen und neue Produkte erfinden - und vielleicht ihren Nutzern weniger an Gebühren abverlangen.  

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