Olympia-Bewerbung
Brasilien: Olympische Leistung

Nach der Entscheidung am heutigen Freitag werden drei Städte Verlierer sein – oder nicht doch eher Gewinner? Olympische Investitionen sorgen für Verzerrungen und lohnen sich selten. Der Preis für ein paar Wochen globalen Ruhms ist hoch. Aber in Brasiliens aufstrebende Wirtschaft und zu Rios Dynamik könnten die Spiele jetzt passen.
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Wer wird den Zuschlag erhalten, Chicago, Madrid, Rio de Janeiro oder Tokio? Die Granden des Olympischen Komitees werden den Austragungsort der Spiele 2016 am Freitagabend verkünden. Aber in diesem Wettbewerb könnte die Siegerstadt der eigentliche Verlierer sein.

Die Vorteile für die Gastgeber des Spektakels liegen auf der Hand: langfristige Schaffung von Arbeitsplätzen, Investitionschancen für die Baubranche und Infrastrukturvorhaben, Impulse für den Tourismus und kosmetische Korrekturen in der Austragungsstadt und im gesamten Land. Aber Investitionen dieser Größenordnung können zu wirtschaftlichen Verzerrungen führen und zahlen sich selten aus. Der Preis für ein paar Wochen Glanz und Gloria ist in der Tat hoch.

Man denke nur an Athen. Für die „Rückkehr der Spiele in ihre Heimat“ im Jahr 2004 gab Griechenland rund 9 Milliarden Euro aus. Das waren etwa 4 Prozent des griechischen BIP, Mittel, die das Land später hätte besser investieren können. Jetzt, inmitten der Rezession streiten sich die Politiker, ob sich das Land ein Konjunkturpaket von 10 Milliarden Euro leisten kann.

Es ist schon richtig, dass das neue griechische Nahverkehrssystem mehr als willkommen ist, genauso, wie es auch die Sanierung des Londoner Ostens nach den olympischen Spielen 2012 sein wird. Aber die griechische Hauptstadt hat heute mehr Stadien als sie nutzen kann, es sei denn, man zählt modrige Schwimmbecken und Spinnweben zu den Einsatzmöglichkeiten. Und die griechische Erfahrung ist eher die Norm als die Ausnahme. Die Olympischen Spiele führen oft zu Verlusten und hinterlassen in den Städten falsche Infrastrukturformen.

Behält man das im Hinterkopf, dann kann ein umsichtiges Management die Kosten des olympischen Geistes in vernünftigem Rahmen halten – sogar in finanziell angespannten Zeiten. Die Bewerber um den Austragungsort 2016 wollen genau das versuchen, auch wenn die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass die Sparsamkeit im Bewerbungsverfahren sich bis zum Ende der Eröffnungszeremonie eher in eine Form von Verschwendungssucht wandelt.

Chicago verspricht, in echt amerikanischer Manier, die Spiele allein aus Mitteln des privaten Sektors zu finanzieren. Madrid prahlt damit, dass 80 Prozent seiner vorgesehenen Austragungsorte bereits existieren oder sich im Bau befinden – die zusätzlichen Investitionen also im Rahmen bleiben. Und Tokio behauptet, seine umweltfreundlichen Investitionen würden in der Zukunft Früchte tragen.

Rio geht anders vor – die 14,4-Milliarden-Dollar-Bewerbung der Stadt überschattet alle anderen. Aber sie ist wahrscheinlich auch die wirtschaftlich vernünftigste Ausgabe, selbst wenn die erforderlichen öffentlichen Investitionen in Verkehrsinfrastruktur und öffentliche Sicherheit diese Kosten noch einmal deutlich erhöhen könnten.

Brasilien ist ein Emerging Market, ein Rohstoffexporteur, der sich in der Rezession gut gehalten hat, die Schulden des Landes wurden erst kürzlich auf Investmentgrade-Niveau heraufgestuft. Die Kosten der Olympischen Spiele würden gerade einmal 1 Prozent des BIP ausmachen.

Und Rio ist eine schnell wachsende Stadt, deren touristische Infrastruktur eine olympische Politur gut brauchen könnte. Die Stadt braucht die Spiele stärker als die anderen Kandidaten. Sie wäre auch in der Lage, die Investitionen ohne Abstiche zu absorbieren.

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