Oracle stellt Ultimatum
Alles nur ein Bluff?

Oracle hat dem Konkurrenten Bea ein Ultimatum gestellt: Die Offerte der Software-Gruppe über 6,7 Mrd. Dollar für Bea werde nicht erhöht und laufe am 28. Oktober ab. Aber es gibt Anlass zur Vermutung, dass das Übernahme-Angebot nicht platzen wird. Oracle hat in der Vergangenheit schon einmal gedroht und dann nachgegeben. Und der Wunsch, Bea zu kaufen, könnte groß genug sein, um mehr als den bisher gebotenen Preis zu zahlen.

Die Uhr tickt, sagt Oracle. Die Software-Gruppe hat dem Board des Konkurrenten Bea Systems ein Ultimatum gestellt: Bis zum 28. Oktober muss der Vorstand des Herstellers von Software-Applikationen der unerwünschten Übernahme von Oracle über 6,7 Mrd. Dollar zugestimmt haben. Damit erhöht Oracle sicher den Druck auf den Board, der die Offerte noch einmal als “Blindgänger” zurückgewiesen hat. Ob Bea für andere Werber attraktiv genug ist, ist nicht klar. Deshalb könnte sich der Aufschlag um 30 Prozent bei den Aktien von Bea in Luft auflösen, sollte Oracle sich abwenden. Aber Bea könnte Grund zu der Vermutung haben, dass das Gebot von Oracle nicht platzen wird.

Erstens einmal waren Software-Gruppen in der Vergangenheit bereit, höhere Vielfache für Konkurrenten zu zahlen. Nach Angaben von Jefferies lag der durchschnittliche Kaufpreis für Software-Gesellschaften über eine Mrd. Dollar beim 18Fachen des prognostizierten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda). Oracle bietet das 16Fache. Die Branche hat demonstriert, dass die Zusammenlegung zweier Software-Firmen zu bedeutenden Kostensenkungen und Finanzerträgen führen kann. Die Offerte zu erhöhen, scheint für Oracle finanziell vertretbar zu sein.

Zum zweiten will Oracle Bea wirklich. Seit mehr als vier Jahren beäugt Oracle den Rivalen jetzt schon. Und es könnte auch eine strategische Notwendigkeit für den Zukauf bestehen. Oracle versucht, mehr als zwei Dutzend Akquisitionen in einem zusammenhängenden Software-Gefolge unterzubringen. Bea ist auf so genannte Middleware spezialisiert, eine Software, mit Hilfe derer verschiedene Computer-Applikationen miteinander arbeiten können. Oracle könnte in den Software-Talenten von Bea die Verbindungsschnur sehen, die das Unternehmen braucht, um die verschiedenen Akquisitionen miteinander zu verknüpfen.

Und schließlich hat Oracle auch in der Vergangenheit schon leere Drohungen ausgesprochen. Während der Übernahmeschlacht für PeopleSoft hatte Oracle sein „bestes und letztes“ Angebot mit 24 Dollar je Aktie und einem Ultimatum von 18 Tagen vorgelegt. Vierundvierzig Tage später willigte die Software-Firma schließlich ein, den Konkurrenten für 26,50 Dollar je Aktie zu kaufen.

Oracle auf die Probe zu stellen, ist riskant für Bea. Allerdings könnte es sich als das Mittel der Wahl herausstellen, wenn man die Uhr ablaufen lässt und dann einen höheren Aufschlag verlangt.

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