Ordnungspolitischer Einspruch
Die Nachfrage mutig stützen

Die Rezession hat uns fest im Griff. Die jüngsten Daten schreiben fort, was wir seit geraumer Zeit erleben: Die Nachfrage bricht weltweit ein, bei allen Differenzierungen ist davon keine unserer Exportbranchen ausgenommen. Mit Steuersenkungen und öffentlichen Investitionen kann der Staat die Folgen des Konjunkturrückgangs jedoch eindämmen.
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Im Oktober ist die Erzeugung im produzierenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat – bereinigt um saisonale Besonderheiten – mit 2,1 Prozent geschrumpft, nachdem sie im September bereits um 3,3 Prozent gesunken war. Die Hauptlast tragen Vorleistungs- und Investitionsgüterhersteller, deutlich abgemildert leiden auch die Produzenten von Konsumgütern.

Niemand bestreitet auch, dass wir in einer keynesianischen Situation sind. Dagegen wird die Einschätzung der weiteren Entwicklung ebenso kontrovers diskutiert wie die Frage der richtigen Reaktion. Beides ist angesichts der Schärfe der bisherigen Entwicklung, der Unklarheit über Tiefe und Dauer des Abschwungs wohl unvermeidbar. Allerdings sollte man bei den Prognosen mehr als sonst den Vorbehalt begrenzter Möglichkeiten hervorheben und bei der Vorstellung extremer Varianten mit Bedacht vorgehen. Auch der Ökonom muss sich seiner Rolle im öffentlichen Raum bewusst sein.

Gegen eine Panikstimmung, die Untergangsfantasien ins Unendliche steigern lässt, sprechen zudem einige Argumente. Die Herbstumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln wie die Mittelstandserhebung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) offenbaren bei allen negativen Tendenzen auch die im Aufschwung gewonnene Robustheit unserer Unternehmen. Die sinkenden Inflationsraten gewähren in der vor uns liegenden Anpassungsphase zweifach Entlastung, und zwar sowohl für die Kostenseite der Betriebe wie auch für die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte.

Doch dieser Trost bleibt zu schwach, als dass man auf eine Selbstheilung der wirtschaftlichen Entwicklung setzen könnte. Insoweit treffen sich die meisten Ökonomen noch in der grundsätzlichen Feststellung, dass keynesianisch zu reagieren sei. Dabei hilft die Aussicht auf eine internationale Synchronisierung entsprechender Maßnahmen. Die Gefahr von Sickerverlusten, die bei nationalen Alleingängen gerade für Volkswirtschaften mit hohem Offenheitsgrad unvermeidbar sind, kann so substanziell vermindert werden. Dies bietet eine historisch einmalige Chance.

Ob diese Chance letztlich ergriffen werden kann, hängt nicht nur vom guten Willen ab, sondern ebenso von der konkreten Ausgestaltung der Instrumente. Kein Staat kann den wegbrechenden Export kompensieren. Versuchen jedoch alle, die binnenwirtschaftlichen Kräfte zu stärken, so kann es gelingen, die über den Export laufende Übertragung der Rezession zu beenden. Damit wird die Nebelwand gelichtet, die vor der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung steht und vor allem die Unternehmen gegenwärtig zu einer Vollbremsung veranlasst.

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