Postfusionen
Vorbild aus dem Norden

Die schwedischen und dänischen Postdienste antworten auf die EU-Deregulation, indem sie sich zu Postriesen zusammenschließen. Die Politik im Resteuropa ist darüber alles andere als „amused“. Die liberalen Skandinavier sind den Nachbarn damit weit voraus. Südeuropa kann nur davon träumen, so viel Glück zu haben.

Europa hat zu viele Postdienste. Anstatt, dass jedes Land seinen eigenen nationalen Champion beschützt, könnten drei oder vier große Postunternehmen den gesamten Kontinent effizient bedienen. Die Entscheidung, die Schweden und Dänemark letzte Woche getroffen haben, ihre Postdienste zu fusionieren, ist ein kleiner Schritt in diese Richtung. Aber die Politik wird die Kosteneinsparung begrenzen und unterstreicht die kommenden hohen Hürden in der Rationalisierung von Europas Briefzustellung.

Der Ruf nach Effizienz ist klar. Die Europäische Union beendet bestehende Monopole für die Briefzustellung im Jahre 2011. Zur gleichen Zeit reduzieren E-Mails den Post-Bedarf. Zudem steigt der Wettbewerb. Das niederländische Privatunternehmen TNT zum Beispiel hat Geschäftsbereiche auf der grünen Wiese aufgebaut, in Absatzmärkten verteilt über den ganzen Kontinent. Aber der Widerstand der Regierung und der Gewerkschaften bleibt heftig. In Deutschland wurde jüngst ein Mindestlohn für Postmitarbeiter eingeführt, um damit den Ausstieg möglicher Herausforderer der Deutschen Post zu erzwingen. Andere Regierungen fragen nach einem Aufschub für die Frist im Jahre 2011, die Monopole abzuschaffen.

Die Skandinavier sind dem voraus. In Schweden endete das Briefmonopol schon 1993 und private Wettbewerber haben mittlerweile 50 Prozent des Briefmarkts erobert. Dänemark erlaubte schon 2005 der privaten Beteiligungsgesellschaft CVC, sich in den Postdienst einzukaufen. Beide, die schwedischen und die dänischen Postkonzerne tragen sehr erfolgreich mehr als 95 Prozent der binnenländischen First Class Briefe über Nacht aus, verglichen mit nur 80 Prozent in den meisten Teilen Südeuropas. Und beide sind Gewinn bringend.

Aber die skandinavischen Postdienste verdienen nicht so viel wie sie sollten. Beide haben einstellige Gewinnmargen, weniger als die Hälfte von TNT. Die angekündigte Fusion kommt deshalb mit Vorbehalten. Während der schwedische Staat 60 Prozent und der dänische Staat und CVC 40 Prozent besitzen, sind die Stimmrechte gleich aufgeteilt und die beiden Länder werden jeder vier Vorstandsmitglieder ernennen. Die geplanten 170 Millionen Euro in Rücklagen stammen aus gemeinsamen IT und Beschaffung. Um nicht die Gewerkschaften zu verärgern, existieren noch keine Pläne, überflüssige Sortierzentren zu schließen und nicht benötigte Mitarbeiter zu entlassen.

Die europäischen Spannungen im Postwesen spiegeln die Deregulation anderer Bereiche wider, die schon lange im Staatsbesitz gewesen sind, wie zum Beispiel die Telekom-Branche, Fluglinien und Energie. Große Fortschritte wurden gemacht, und in diesen Industrien gewann die Konsolidierung an Geschwindigkeit. Aber wie das Briefwesen zeigt, wartet hier noch mehr harte Arbeit.

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