Rechtsstreitigkeiten
Huntsman: Chemische Verbrennungen

Die Deutsche Bank und Credit Suisse hatten bei dem Rechtstreit mit Huntsman wegen dessen gescheiterter Übernahme durch Apollo die Argumente auf ihrer Seite. Aber einen Vergleich über 1,7 Mrd. Dollar zu schließen, ist dennoch vernünftig. Denn die texanischen Geschworenen hätten die Banken auch zur Zahlung des Siebenfachen dieses Betrags verdonnern können.
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Eine der letzten großen Auseinandersetzungen aus dem LBO-Boom ist nun auch friedlich beigelegt worden. Die Deutsche Bank und Credit Suisse beendeten den Rechtstreit mit Huntsman wegen dessen gescheiterter Übernahme durch Apollo mit einem Vergleich, auch wenn die beiden Banken starke Argumente auf ihrer Seite hatten. Aber 1,7 Mrd. Dollar zu zahlen, wenn ein texanisches Geschworenengericht sie zum Siebenfachen dieses Betrags hätte verdonnern können, ist vernünftig.

Der US-Chemiehersteller hatte bereits von Apollo eine Vergleichszahlung von einer Mrd. Dollar erwirkt, weil die Beteiligungsgesellschaft den Buyout, der mit Fremdmitteln über 15,4 Mrd. Dollar finanziert werden sollte, abgesagt hatte. Die Firma von Leon Black hatte kalte Füße bekommen, nachdem sie den Deal über die Zusammenlegung von Huntsman mit Hexion Specialty Chemicals, die in ihrem Besitz ist, eingefädelt hatte. Der Abschwung hatte das Chemiegeschäft schwer in Mitleidenschaft gezogen, und Apollo hatte argumentiert, die fusionierte Gesellschaft würde vom ersten Tag an insolvent sein.

Mit dieser Erklärung hätten die Banken eigentlich aus dem Schneider sein müssen. Aber der für seinen Kampfgeist berühmte Gründer des Chemie-Unternehmens, Jon Huntsman, strengte eine Klage über 13 Mrd. Dollar gegen die beiden Kreditinstitute an. Die Banken verwiesen darauf, dass der Darlehensnehmer laut den Kreditvereinbarungen in der Lage sein müsse, seine Schulden zu bedienen.

Doch der Gerichtsstand war Conroe im US-Bundesstaat Texas, eine Stadt mit etwa 40 000 Einwohnern im Norden von Houston. In solchen Gegenden hält man nicht viel von den Firmen der Wall Street. Betrachtet man zudem Komplexität des Falls, dann sorgten sich die Banken zu Recht darüber, vielleicht doch zu verlieren.

Jetzt muss jede Bank nur 316 Mill. Dollar beisteuern, der Rest geht in Form von Krediten an Huntsman. Hätten die Banken die Übernahme finanziert, dann säßen sie jetzt auf einem Papierverlust von mindestens zwei Mrd. Dollar, selbst wenn Huntsman-Hexion nicht gescheitert wäre. Denn seit Abschluss des Deals sind die Preise für Junk-Kredite um mehr als 13 Prozent gefallen. Als der Markt im vergangenen Dezember seinen tiefsten Punkt erreicht hatte, hätten die Einbußen eher im Bereich von sechs Mrd. Dollar gelegen.

Die Banken scheinen also relativ unbeschadet davon gekommen zu sein. Zumindest müssen dies die Huntsman-Aktionäre gedacht haben, die sofort nach Bekanntgabe des Vergleichs die Titel des Chemieherstellers um rund zehn Prozent zurückstuften. Im Verlauf der Sitzung machte der Kurs diese Verluste aber fast wieder wett. Vielleicht wurde den Investoren bewusst, dass die Zahlungen von Apollo und den beiden Kreditinstituten sich schließlich auch zu einem hübschen Betrag summieren, nämlich dem Doppelten der Marktkapitalisierung des Unternehmens. So haben letztendlich alle betroffenen Parteien Grund zum Feiern.

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