Rekord
Der Goldpreis und die Paranoia

Gold hat mit knapp 1 050 Dollar je Feinunze einen neuen Rekord erreicht. Eine Vielzahl von Faktoren treibt den Höhenflug des Edelmetalls an: locker sitzendes Geld, Inflationsängste, die Schwäche des Dollar und unterschiedliche Verschwörungstheorien, um nur einige aufzuzählen. Die Goldfans haben bisher Recht behalten, aber bei ihren Argumenten schwingt immer auch noch ein wenig Paranoia mit.
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Gold hat am Dienstag mit knapp 1 050 Dollar je Feinunze einen neuen Rekordpreis erzielt. Eine Vielzahl von Faktoren treibt den Höhenflug des Edelmetalls an: locker sitzendes Geld, Inflationsängste, die Schwäche des Dollar und unterschiedliche Verschwörungstheorien, um nur einige zu nennen. Die Goldfans haben bisher Recht behalten, aber bei ihren Argumenten schwingt immer auch noch ein wenig Paranoia mit.

Zu den neuen Gerüchten zählte, dass Saudi-Arabien und andere Länder eine Abkehr vom Dollar als Handelswährung für Rohöl planen und für die Preisfestsetzung stattdessen einen Währungskorb heranziehen könnten. Dies würde die Stellung der US-Währung untergraben. Auch wenn derlei Pläne verfrüht erscheinen, zeigten die Spekulationen im Dienstagshandel dennoch Wirkung. Der Preis von Gold und anderen Rohstoffen, die in Dollar abgerechnet werden, schnellte nach oben.

Zudem hat die Politik des billigen Geldes in den USA und fast überall auf der Welt Inflationsängste angefacht. Die Lockerung der Zinszügel heizt die Nachfrage nach Absicherungsmöglichkeiten gegen die Teuerung etwa durch Gold an, während sie es gleichzeitig den Investoren erleichtert, Käufe aller Arten von Rohstoffen zu finanzieren.

Auf inflationsbereinigter Basis müsste sich der Preis von Gold noch einmal mehr als verdoppeln, um die Spitzenwerte zu erreichen, die Anfang der achtziger Jahre verzeichnet wurden. Das verleiht den hartnäckigen Goldenthusiasten weitere Spielräume. Doch ganz so glatt wird es vielleicht auch nicht gehen.

Wenn zum Beispiel mehr Länder dem Beispiel Australiens folgen und damit beginnen, die Zinsen wieder anzuheben, könnte die Luft aus der Hausse entweichen. Außerdem ist auch noch ausreichend Zeit vorhanden, um die Teuerung im Keim zu ersticken: Da die meisten Volkswirtschaften immer noch angeschlagen sind, sind wild wuchernde Preiszuwächse vorerst noch eher dem Bereich der Angst als der Realität zuzuordnen.

Abgesehen davon ist die Besorgnis über eine allgemeine Dollar-Schwäche kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, in welch elender wirtschaftlicher Verfassung sich die USA befinden und wie massiv ihr Mittelaufnahmebedarf ist. Dies liefert zumindest ein überzeugendes Argument für eine Währungsdiversifikation. Wenn sich Gold als die bevorzugte Alternative für jedermann erweist, werden seine Antreiber und Förderer wahrscheinlich nicht alles verlieren.

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