Rezession
Der langwierige Kater

Nach den USA und Japan hat nun auch die Eurozone die vierteljährlichen BIP-Rückgänge hinter sich gelassen. Das ist eine klare Verbesserung gegenüber dem freien Fall, der Anfang 2009 möglich schien. Doch selbst wenn sich diese immer noch zaghafte Erholung als dauerhaft erweist, wird der angerichtete wirtschaftliche Schaden sich nicht so schnell in sein Gegenteil verkehren lassen.
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Nach den USA und Japan hat sich nun auch die Eurozone von den vierteljährlichen BIP-Rückgängen verabschiedet. Das ist zwar eine klare Verbesserung gegenüber dem freien Fall, der Anfang 2009 durchaus möglich erscheinen war. Doch anstatt in Jubel auszubrechen, wäre eher ein leiser Seufzer der Erleichterung angebracht. Denn selbst wenn sich diese immer noch zaghafte Erholung als dauerhaft erweist, hat die Wirtschaft zu großen Schaden genommen und ist immer noch zu anfällig, um eine allzu große Überschwänglichkeit zu rechtfertigen.

In den meisten entwickelten Ländern scheint sich das BIP zu erhöhen, auch wenn der von Breakingviews.com entwickelte Economic Spot-check-Indikator diesbezüglich immer noch zwischen den Kategorien "Langsamer Rückgang" und "Stabilität" verharrt. Am vergangenen Freitag hatte das EU-Statistikamt einen Zuwachs um 0,4 Prozent für das dritte Quartal gemeldet. Zuvor hatten die USA eine Steigerung um 0,9 Prozent und Japan ein erwartetes Plus um 0,2 Prozent bekannt gegeben. Weit abgeschlagen zeigt sich Großbritannien mit einem Quartalsrückgang um 0,4 Prozent.

Die Rückkehr zum Wachstum in den meisten Regionen ist in etwa so begrüßenswert, wie man eine Baufirma willkommen heißt, die anrückt, nachdem ein Wirbelsturm das Haus in Schutt und Asche gelegt hat. Selbst nach dem jüngsten Quartal ist das BIP in der Eurozone immer noch um fünf Prozent geschrumpft, wenn man es mit dem Spitzenquartal des vergangenen Jahres vergleicht. Der Rückgang gegenüber den Spitzenständen in den USA beträgt drei Prozent und in Japan und Großbritannien jeweils sechs Prozent.

Ein Teil dieses Schrumpfungsprozesses wirkte heilsam, da er untragbaren Exzessen ein Ende bereitete. Doch größtenteils lasten der Sturz des BIP und die damit einhergehende Erhöhung der Arbeitslosigkeit und der Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt wie Krankheiten auf der Wirtschaft, die nur neue Leiden, aber keine Gesundung mit sich bringen.

Einige Beobachter sind der Meinung, dass die Schmerzen schnell nachlassen werden. In einigen Jahren, so denken sie, wird es so aussehen, als hätte es die Rezession nie gegeben. Sicher hat sich das wirtschaftliche Schicksal in der Vergangenheit schon in vielen Fällen derart abrupt gewendet. Doch leider sieht es ganz so aus, als wäre es dieses Mal anders.

Das Finanzsystem ist von einer stabilen Verfassung nach wie vor weit entfernt, die globalen Ungleichgewichte im Handel wurden immer noch nicht bereinigt - man betrachte nur das US-Handelsbilanzdefizit, das im September um 18 Prozent höher lag als im August - und bei den Regierungen laufen die konjunkturellen Stützungsprogramme immer noch auf vollen Touren.

Kurz zusammengefasst stellen sich dem Wachstum nach wie vor große Widerstände und mögliche Auslöser für ein erneutes Abgleiten in die Rezession entgegen. Die Angst vor einem solchen Rückfall tendiert dazu, sich selbst zu bewahrheiten, da besorgte Unternehmen und Investoren sich mit ihren Ausgaben zurückhalten. Dies könnte zu einer langsamen und größtenteils freudlosen Erholung führen.

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