Richemont
Luxusprobleme

Der schweizerische Tabak- und Luxusgütermischkonzern Richemont will in einem komplexen Plan seine Geschäftsfelder aufspalten. Der schillernde Edelschmuck soll nicht mehr länger vom Dunst der Tabakwaren getrübt und im Wert gedrückt werden. Aber die Gründerfamilie will einen neuen diversifizierten Fonds schaffen. Ihr Glaube an die Welt des Luxus könnte ins Wanken gekommen sein.

Compagnie Financière Richemont, der schweizerische Tabak- und Luxuswarenmischkonzern, hat endlich einen komplexen Plan vorgelegt, um seine Geschäftsfelder aufzuspalten. Dies war erwartet worden. Bemerkenswerter ist da schon die Tatsache, dass sich die Gründerfamilie als Mehrheitsaktionärin dazu entschlossen hat, ihr Geschäft außerhalb der Welt des teuren Tands zu streuen.

Die Umstrukturierung sieht die Trennung zweier Wertpapiere vor, die eng miteinander verbunden waren, wobei eines die Luxusmarken wie etwa Cartier und Montblanc repräsentiert und das andere den Anteil von 17,5 Prozent am Zigarettenhersteller BAT. Das ist einfach. Aber die Transaktion wird dadurch kompliziert gemacht, dass nach der Verteilung von 90 Prozent der BAT-Aktien an die Aktionäre eine Bezugsrechtsemission eines neuen Investmentvehikels namens Reinet folgt. Tatsächlich wird Reinet die BAT-Aktien gegen seine eigenen tauschen.

Johann Rupert, Executive Chairman und Mitglied der Gründerfamilie, sagt, die Umstrukturierung werde dafür sorgen, dass Richemonts kostspielige Schmuckstücke nicht mehr länger unter dem Abschlag, der einem Mischkonzern zugewiesen wird, leiden. Die Aktien werden derzeit zu einem Vielfachen der für 2008 erwarteten Ergebnisse gehandelt, das um drei Prozent niedriger liegt als das seiner europäischen Konkurrenten, von den durch eine Übernahme-Offerte aufgeblähten Titeln von Hermès einmal abgesehen.

Aus steuerlichen Gründen ist ein Deal dieser Art ratsam. Aber Richemont hätte auch einfach seine Tabakbeteiligungen verkaufen können und die Erlöse in die Expansion auf dem Markt für Luxusgüter stecken können. Stattdessen führt das Unternehmen den Großteil seiner Investmentfonds in Reinet über, das nicht in Luxus investieren wird.

Der Zeitpunkt für eine Diversifikation sieht günstig aus. Die sich abschwächende Konjunktur scheint sich schließlich doch negativ auf die Luxusgüter auszuwirken. Die italienische Bulgari hat für das zweite Quartal über einen Umsatzrückgang bei Uhren um acht Prozent berichtet und zugegeben, die schlechte Lage zu spüren zu bekommen - selbst in aufstrebenden Märkten wie Malaysia und Thailand, die eigentlich einen Puffer gegenüber einen Abschwung in anderen Ländern bilden sollten.

Sicher, die ausgesuchten Luxusmarken von Richemont sollten sich widerstandsfähiger zeigen als viele weniger exklusive Konkurrenzprodukte. Cartier und Kollegen aus demselben Stall wie Van Cleef & Arpels und Piaget sind nur für die Reichsten der Welt zu haben - Konsumenten, von denen erwartet wird, dass sie weiterhin Geld ausgeben, Kreditkrise hin oder her. Eine starke Präsenz in China, das sich nach Ansicht von Experten bis 2015 zum zweitgrößten Markt für Luxusgüter entwickelt haben dürfte, sollte zudem hilfreich sein.

Aber Rupert hat einige Schwierigkeiten in Kauf genommen, um einen Fond einzurichten, der in alles andere als in Schmuck der Extraklasse investiert. Es sieht so aus, als ob einer der Titanen der Welt des Luxus seine Wetten absichert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%