Rohstoffhändler
Revolution bei Glencore

Der verschlossene schweizerische Rohstoffhändler Glencore könnte sich zum ersten Mal in seiner Unternehmensgeschichte Außenstehenden öffnen. Für die Bilanz der Gruppe würde sich dieser Traditionsbruch auszahlen.
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Glencore steht vor einer Revolution. Der verschlossene schweizerische Rohstoffhändler, der 35 Prozent an der Minengesellschaft Xstrata hält, führt einleitende Gespräche mit fünf potenziellen externen Investoren, berichtet eine mit der Situation vertraute Person. Laut britischen Presseberichten befinden sich unter den Interessenten die China Investment Corporation und Temasek. Der Traditionsbruch könnte sich auszahlen.

Seine Schatzkammern für Außenstehende zu öffnen, würde dem Unternehmen helfen, eine Liquiditätsklemme zu umgehen. Sicher, die Gruppe hatte zum Ende der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs liquide Mittel und nicht in Anspruch genommene Bankfazilitäten von 3,7 Mrd. Dollar ausgewiesen. Aber als Metallhändler muss Glencore aufgrund der steigenden Rohstoffpreise mehr Betriebskapital in sein Geschäft einspeisen. Je höher die Preise steigen, desto mehr Cash ist nötig.

Während die berichteten 3,7 Mrd. Dollar Glencore zwar im Geschäft halten sollten, könnte der Betrag nicht ausreichen, um die Vorteile aus dem Deal mit Xstrata zu ziehen, den Glencore im Februar eingegangen war. Statt Cash für die Bezugsrechtsemission von Xstrata über 5,9 Mrd. Dollar bereit zu stellen, opferten die Schweizer die kolumbianische Mine Prodeco. Glencore kann Prodeco im März für rund 2,5 Mrd. Dollar zurückkaufen - wenn die Gruppe das Bargeld dafür auftreiben kann. Wenn nicht, verbleibt die Mine bei Xstrata.

Auch wenn an die Einzelheiten zur finanziellen Situation von Glencore nicht leicht heranzukommen ist, so ist das Unternehmen doch mit den Insignien einer attraktiven Investition ausgestattet. Große Rohstoffimporteure wie China werden die Vorstellung sicher begrüßen, Einfluss auf diesen äußerst großen Händler zu erlangen.

Glencore könnte mit dem Vorhaben jetzt an Cash kommen und später davon profitieren, Freunde in wohlhabenden Regionen zu haben. Zumindest könnte ein Appell großer, als Eckpfeiler fungierender Investoren Vertrauen erwecken, wenn sich die Gruppe dazu entschließt, den lange geplanten Gang an die Börse über 40 Mrd. Dollar anzupacken.

Ein Kader vermögender Finanziers könnte Glencore sogar dabei unterstützen, etwas noch Abenteuerlicheres zu wagen - vielleicht die Übernahme von Xstrata selbst. Aus der Zusammenlegung der Bergwerksanlagen der beiden Gruppen könnten sich üppige Synergien ergeben. Und die Führungsriege von Glencore sei ohnehin bereits der Ansicht, eine Firma könnte besser sein als zwei, sagt eine mit der Lage vertraute Person. Dieser Deal mag noch in weiter Zukunft liegen, doch für einen gewieften Händler wie Glencore zahlt es sich aus, schneller zu planen als der Markt.

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