Rusal
Ein zweifelhafter Segen

Die staatliche russische Vneshekonombank könnte einen Anteil an Rusal übernehmen, wenn der Aluminiumriese an die Börse geht. Da Rusal dem Kreditinstitut 4,5 Mrd. Dollar schuldet, käme dies einem Teilschuldenswap gleich. Doch das Engagement des Kreml könnte auch dazu führen, dass sich die Erstemission schwerer verkaufen lässt.
  • 0

Wladimir Putin scheint Oleg Deripaska ein wenig unter die Arme greifen zu wollen. Die staatliche russische Vneschekonombank unter dem Vorsitz des russischen Ministerpräsidenten erwägt, einen Anteil von drei Prozent an Rusal zu übernehmen, wenn das Aluminiumunternehmen des Oligarchen an die Börse geht. Ein Engagement des Staates würde Deripaska definitiv bei den rechnerischen Herausforderungen der Erstemission helfen. Doch es könnte gleichzeitig auch ausländische Investoren abschrecken, die dem Einfluss des Kreml skeptisch gegenüberstehen.

Die Vneshekonombank wäre bereit, einen Preis zu zahlen, der Rusal mit 16 Mrd. bis 21 Mrd. Dollar bewerten würde, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Das wäre bedeutend niedriger als die Spanne von 25 Mrd. bis 30 Mrd. Dollar, die der Aluminiumgigant selbst anzustreben schien. Das staatliche Kreditinstitut würde einen Teil seines Geldes zurückbekommen, wenn das Unternehmen etwa 80 Prozent der Erlöse aus der Kapitalbeschaffung dafür einsetzen würde, um seine Verbindlichkeiten über 16,8 Mrd. Dollar teilweise abzubezahlen. Die Bank war Rusal im vergangenen Jahr mit rund 4,5 Mrd. Dollar zu Hilfe geeilt, als die Firma bezüglich ihres 25prozentigen Anteils an dem Nickel- und Palladiumproduzenten Norilsk mit Nachschusszahlungen konfrontiert worden war. Unter sonst gleich bleibenden Bedingungen würde die Vneshekonombank wahrscheinlich rund 550 Mill. Dollar zahlen, im Gegenzug würden Schulden über rund 177 Mill. Dollar abgelöst.

Die hypothetische Investition der russischen Regierung und die Tatsache, dass der Preis durchgesickert ist, den sie bereit wäre zu zahlen, könnten einen Versuch darstellen, die Bewertung von Rusal abzustützen. Rusal will in Hongkong an die Börse gehen, um sich die optimistischeren Bewertungen von Bergwerksgesellschaften dort zu Nutze zu machen. Doch die Verbindlichkeiten des Unternehmens werden sich nach wie vor auf das Schwindel erregende Zehnfache der für das kommende Jahr geschätzten Ergebnisse vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen belaufen. Das wird die Begeisterung der Investoren dämpfen - und zwar unabhängig von ihrer Nationalität.

Zudem wird die Einmischung des Kreml nicht dazu beitragen, die Investoren darin zu bestärken, dass es Rusal überlassen bleibt, die Rezession mit der Handlungsfreiheit zu überstehen, die das Unternehmen braucht, um Kosten zu senken und sich an magerere Zeiten anzupassen. Gelinde gesagt muss Putin noch eine Menge lernen, was die Trennung von Geschäft und Politik angeht. Die potenziellen Investoren von Rusal könnten es vorziehen, nicht zu denen zu gehören, die ihm dies beibringen.

Kommentare zu " Rusal: Ein zweifelhafter Segen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%