Russland
Russlands Markt bricht zusammen

Das Auslandskapital flieht schneller als die russische Regierung nachschießen kann. Auch die Börse spielt verrückt. Und dass, obwohl der Staat den größten Banken des Landes zusätzlich mittelfristige Kredite in Höhe von 36 Milliarden Dollar zur Verfügung stellt. Russland steckt damit insgesamt 10 Prozent seines BIP in die Banken, bisher ohne sichtbaren Erfolg. Und eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

Die Option ihre Banken zu verstaatlichen hat die russische Regierung nicht: die größten Banken des Landes befinden sich schon im Staatsbesitz und eine Reihe der kleineren gleich noch mit. Aber die globale Liquiditätsklemme hat vor den russischen Banken nicht halt gemacht. Verschlimmert wird die Situation noch durch die Flucht ausländischer Investoren, die aus Angst vor der Unberechenbarkeit des Kreml schon im Verlauf des Sommers Kapital aus Russland abgezogen haben. Die russischen Börsen haben seit ihren Höchstständen im Mai bereits über zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Die russische Regierung hat einige zehn Milliarden Dollar an öffentlichen Geldern und Währungsreserven in den Markt gepumpt, um die Börsen zu stabilisieren und den Banken des Landes zu helfen - aber ohne Erfolg. Nach den jüngsten Hiobsbotschaften verkündete Dmitri Medwedew, der Präsident des Landes, die Regierung werde das Volumen an Fünfjahreskrediten für russische Top-Banken um 36 Milliarden Dollar aufstocken. Medwedew hofft dabei, dass die zusätzliche Liquidität ihren Weg durch den restlichen Bankensektor und in die Wirtschaft findet.

Mit diesen Mitteln summiert sich die öffentliche Finanzhilfe auf 190 Milliarden Dollar - fast ein Zehntel des russischen BIP. Aber die Ankündigung Medwedews fand die gleiche Antwort wie schon die vorangegangenen Stützungsaktionen: weitere Kursrückgänge an den Aktienmärkten. Die Behörden reagierten daraufhin in gewohnter Weise - sie schlossen die Börsen, diesmal gleich für den Rest der Woche.

Der jüngste Finanzsturm trifft Russland zu einer denkbar ungünstigen Zeit: der Krieg in Georgien hat die Anleger bereits verschreckt, die Inflation schießt in den Himmel und die Ölpreise sinken. Russland hat seine Zufallsgewinne aus dem Ölgeschäft in weiser Voraussicht in speziellen Schlechtwetterfonds geparkt und profitiert nun von seiner bisher relativ konservativen Fiskalpolitik. Aber die Währungsreserven sind allein im vergangenen Monat um 30 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen. Bei diesem Tempo werden die verbleibenden 550 Milliarden bis Anfang 2010 verbraucht sein.

Wie Russland das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen will, ist nicht klar. Ein umfangreiches Reformprogramm, durch das die Risikofaktoren des Landes vermindert werden, könnte helfen. Ein guter Anfang wäre eine radikale Umstrukturierung des Finanzsystems. Die Anpassung könnte im gegenwärtigen Kreditchaos sogar weitgehend unbemerkt über die Bühne gebracht werden. Und Russland könnte auf diese Weise für die besseren Zeiten, die da kommen werden, zumindest eine solidere Grundlage schaffen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%