Schon komisch
Die Volksbühne ohne Volk

Über den endgültigen Abgang einer kommunistischen Parteizeitung, die einst auch Friedensfahrten auf dem Fahrrad organisiert hat.
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Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Manchmal aber so richtig erst mit 20 Jahren Verspätung. Jetzt schließt die "Volksbühne". Nein, nicht das renommierte und durchaus kapitalismuskritische Theater im Herzen Berlins. Von der polnischen "Trybuna Ludu" ist die Rede, der Parteizeitung der polnischen Kommunisten. Sie ist pleite und schuldet ganz unkommunistisch sogar die Sozialabgaben für ihre Beschäftigten.

Allerdings findet die "Tribüne" (Trybuna) seit 1989 ohnehin schon ohne das Volk (Lud) statt: Die Verkürzung des Namens war ein eilfertiger Tribut an die Wendezeit. Geholfen hat er nichts. Das 1948 erstmals erschienene Blatt hatte einst 1,5 Millionen Auflage, zuletzt sank sie unter 20 000 Exemplare. Und nun also das Aus für das Blatt, das einst mit dem "Neuen Deutschland" und der tschechoslowakischen "Rude Pravo" (Rotes Recht) die Friedensfahrten im Radsport organisierte.

"Neues Deutschland" leidet auch unter Leserschwund. Nur Karl Marx ist wieder Bestseller. Allerdings nicht sein "Kommunistisches Manifest", sondern "Das Kapital" - das passende Buch zur heutigen Krise? So besehen wäre Marx viel zu früh gekommen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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