Schroders Dillon Lufkin & Co.
Wiederbelebung werblicher Marken der Finanzbranche?

London ist erfüllt von Gerüchten, Citi-Banker könnten eine Boutique mit dem Namen Schroders aufmachen. Das wäre zwar gewagt, aber viele große Firmen, die Investmentbanken in London und New York kauften, haben heute angeschlagene Marken. Geschichtsträchtige Namen wiederzubeleben, die für Qualitätsberatung stehen, ist deshalb verlockend.
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Der Finanzdistrikt von London ist erfüllt von Gerüchten über eine Wiederbelebung. Die Finanzbranche kehrt allerdings in absehbarer Zeit nicht zu ihren glorreichen Zeiten zurück. Der Klatsch hat eher zum Inhalt, dass führende Citigroup-Banker versuchen wollen, eine Beratungs-Boutique unter dem Namen Schroders aufzumachen. Es steckt eine gewisse Logik in der Idee, altehrwürdige Investmentbanken-Marken aus London and New York wiederzubeleben. Zumindest jene, deren Niedergang nicht durch Skandale beschleunigt wurde.

Die Schroders-Idee ist gewagt. Einige in Gerüchten genannte Beteiligte spotteten darüber. Zudem könnte der Vermögensverwalter Schroders, wie auch andere Markenbesitzer, seinen Namen nicht teilen wollen. Selbst wenn Schroders für seine Marke eine Lizenz erteilen würde, könnte dies kaum geschehen, bevor eine wettbewerbsverhindernde Klausel aus dem im Jahr 2000 vollzogenen Verkauf des Investmentbankgeschäftes von Schroders an Citi im Jahre 2010 ausläuft.

Trotzdem ist die Idee, einige der alten Namen zurückzubringen, nicht verrückt. Während der späten 1990er und danach wurden viele unabhängige Beratungsfirmen von Geschäftsbanken geschluckt, in der Hoffnung, Zugang zum damals lukrativen Investmentbankgeschäft zu bekommen.

In den USA kaufte der Citi-Vorgänger Salomon Brothers. Die schweizerische UBS kaufte Dillon Read und PaineWebber, die zuvor die Reste von Kidder Peabody übernommen hatte. Credit Suisse verleibte sich First Boston und Donaldson Lufkin & Jenrette ein, und diese Liste ist noch lang. In der Londoner City wurden unterdessen fast alle damaligen Investmentbanken verkauft. Die UBS übernahm Warburg; die Dresdner Bank schluckte Kleinwort Benson; HSBC schnappte sich James Capel; und so weiter.

Abgesehen davon, dass gelegentlich mit den Namen Warburg oder Dillon Read versehenes Büromaterial bei Ebay auftaucht, sind diese Namen größtenteils verschwunden. Das war für die neuen Besitzer im Zuge der Integration ihrer Zukäufe sinnvoll. Infolge der Kreditkrise stehen aber einstmals honorige Namen wie Citi und UBS nicht länger für Stabilität und starke Bilanzen.

Die meisten Fehler, die zu den schmachvollen Rettungsaktionen auf beiden Seiten des Atlantik führten, wurden nicht im kundenorientierten Beratungsgeschäft gemacht, das im Zentrum des Geschäftsmodells der alten Investmentbanken stand. Die Fehlerquellen lagen vielmehr bei den mit viel Kapital ausgestatteten Handelsabteilungen innerhalb der riesigen Finanzkonglomerate. Neuere Boutiquen ziehen daraus bereits ihre Vorteile. Es ist nicht überraschend, dass einige Banker jetzt nach einem Auftritt suchen, der den Glanz der besseren Namen von früher verströmt. Das gilt sogar dann, wenn sie diese verstaubten Namen erst aus Versenkung zurückholen müssen.

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