Schweiz
UBS: Regierung mit Feingefühl

Die Regierung zeigt Fingerspitzengefühl in der Krise. Die Entscheidung, ihre Beteiligung an der größten Bank des Landes jetzt wieder zu verkaufen, ist der jüngste Beweis dafür. Damit erholt sich die UBS schneller Citi und RBS, die die beiden anderen großen Verlierer der Krise. Schade, dass nicht auch der Angriff aufs Bankgeheimnis reibungslos bewältigt wurde.
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Die Schweizer haben in der Finanzkrise ein gewisses Fingerspitzengefühl gezeigt. Der jüngste Beweis hierfür ist der schnelle Ausstieg aus der UBS. Die Entscheidung hilft der größten Schweizer Bank auf die Füße, ohne dass der Staat weiter Händchen halten muss. Das ist kein geringer Erfolg!

Im vergangenen Oktober entschieden die Schweizer Behörden, der strauchelnden UBS im Rahmen eines umfangreicheren Rettungspakets eine Kapitalspritze von 6 Milliarden Schweizer Franken zu verpassen. Die Rekapitalisierung, die im Dezember vollzogen wurde, gab dem Staat einen potenziellen Anteil an der Bank von 9,3 Prozent. Die Rechte bestanden in Form von Wandelanleihen mit einem heftigen, aber fairen jährlichen Zinskupon von 12,5 Prozent.

Seitdem erholt sich die UBS. Die Bank tauschte ihr Topmanagement aus, entwickelte eine neue Geschäftsstrategie und nahm in eigener Regie frisches Kapital auf. Am Mittwoch brachte sie ein langwieriges Verfahren mit der US-Steuerbehörde zum Abschluss. Das reichte, um die Schweizer Regierung davon zu überzeugen, dass UBS aus der staatlichen Obhut entlassen werden sollte - als erste Bank in Europa.

Die Anleger waren darüber so erfreut, dass sie die angebotenen 332 Millionen Aktien mit einem Discount von lediglich 2,7 Prozent zum Marktpreis akzeptierten. UBS wird der Regierung auch den Gegenwartswert aller Zinszahlungen aus der Wandelanleihe auszahlen - 1,8 Milliarden Schweizer Franken. Rechnet man diesen Betrag zu den 5,5 Milliarden Schweizer Franken, die die Aktienverkäufe einbringen, hinzu, dann erhalten die Schweizer Steuerzahler eine beeindruckende Jahresrendite von 32 Prozent auf ihr neunmonatiges Investment.

Der Turnaround der Bank ist damit noch lange nicht komplett. Das Investmentgeschäft schrumpft weiter und hinkt hinter der Entwicklung vieler Konkurrenten her. Auch der Exodus im Privatkundengeschäft ist noch nicht vorüber. Dennoch ist die Bank den anderen Mega-Verlierern der Kreditkrise voraus. Weder Citigroup noch Royal Bank of Scotland werden die staatlichen Beteiligungen in der nächsten Zeit abschütteln können und beide dürften UBS um ihre Klarheit und strategischen Fortschritte beneiden.

Aber während das Krisenhandling der Schweizer einer der hoch geschätzten Schweizer Rolexuhren gleicht, wirkt ihr Umgang mit dem Bankgeheimnis eher wie ein Straßenwitz. Zu lange wiesen die Behörden jede Forderung nach größerer Offenheit gegenüber fremden Finanzämtern zurück. Druck von der G20 - und die zugegebenen Verstöße der UBS - machten diese Haltung inzwischen untragbar.

Die Schweiz ist berühmt für ihre umsichtige Bankenpolitik im eigenen Land und ihre strikte Ablehnung jeder fremden Einmischung. Beide wurden zu Markenzeichen der Krise.

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