Silvesterfreude bei den Banken
Vorübergehender Jubel

Die Banken haben keinen Grund, sich Sorgen über ihre Barreserven zum Jahreswechsel zu machen. Für die großzügigen Liquiditätsspritzen können sie sich bei den Zentralbanken bedanken. Aber die Festtagsstimmung bleibt gedämpft. Die Liquidität an den Geldmärkten fließt nicht wirklich frei und die nächsten Finanzschocks warten vor der Tür.

Die vorweihnachtlichen Liquiditätsinjektionen der Zentralbanken haben bewirkt, was sie sollten. Nach außerordentlichen Auktionen der Europäischen Zentralbank, des Federal Reserve Boards und der Bank of England verfügen die Banken über genügend kurzfristige Liquidität um wohlbehalten ins neue Jahr zu starten.

Der größte Tender kam von der EZB, 350 Milliarden Euro zu günstigen Konditionen mit einer Laufzeit von 14 Tagen, weitere 40 Milliarden Dollar wird die Federal Reserve in dieser Woche über eine neuartige Auktionsfazilität auf den Markt bringen und die BoE stimmte mit einer außerplanmäßigen Versteigerung von 10 Milliarden britischen Pfund über 3 Monate in den Chor mit ein.

Die Ergebnisse waren nicht gerade überwältigend. Die kurzfristigen Interbankensätze liegen weiter deutlich über dem Vor-Krisenniveau. Immerhin scheinen sie nicht weiter zu steigen, mache Laufzeiten fallen sogar. Die Kosten für 14-tägige Gelder in der Eurozone – hier war die Intervention am größten – sind um rund 35 Basispunkte gefallen.

Dank dieser Auktionen bleibt den Bankern und ihren Geldmarkt-Kunden eine Weihnachtskrise erspart, richtige Sylvesterstimmung will aber auch nicht aufkommen. Zunächst einmal sind die Geldmärkte noch lange nicht gesund. Die Spanne zwischen risikolosen Zinsen und Interbankensätzen ist immer noch etwa doppelt so groß wie wünschenswert. Es sieht so aus, als ob viele Banken weiter akuten Liquiditätsbedarf haben, zum großen Teil darum, weil Kreditgeber außerhalb der Banken fehlen. Mit anderen Worten, viele Hände strecken sich nach den Liquiditätsrückflüssen aus fälligen Darlehen.

Die Zentralbanken können dazu beitragen, die entstehenden Liquiditätslücken zu schließen. Sie können aber nicht verhindern, dass die Banken im Handel und Kreditgeschäft Geld verlieren. Solche Verluste stehen auch weiterhin bevor. Die jüngsten negativen Schlagzeilen machte S&Ps Abwertung des Anleiheemittenten ACA auf Junkbondniveau am vergangenen Mittwoch. Der Downgrade wird die Banken einige Milliarden Dollar kosten. Selbst wenn sich die amerikanische Konjunktur 2008 nur wenig abkühlt, werden Kreditgeber neue Probleme auf dem Immobilienmarkt bewältigen müssen. Hinzu kommen notleidende Konsumentenkredite und steigende Unternehmensinsolvenzen.

Der Silvesterkater dauert nicht länger als einen oder zwei Tage. Aber die gegenwärtigen Kopfschmerzen auf dem Geldmarkt sind Ergebnis einer 10-jährigen Liquiditätsfete. Nach der Verschnaufpause an Neujahr könnte der Kater noch Monate, wenn nicht Jahre andauern.

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