Sony Ericsson
Es hat keinen Wert

Die Handy-Hersteller setzen keine großen Erwartungen in dieses Jahr. Doch jetzt legt Sony Ericsson mit seiner Gewinnwarnung gleich einen veritablen Fehlstart hin. Die Muttergesellschaft Ericsson ist ohnehin schon zu der Überzeugung gelangt, dass das Gemeinschaftsunternehmen ihren Bereich Netzwerke belastet. Der jüngste Rückschlag wird den Eindruck verstärken, dass es Zeit für einen Rückzug wird.
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Sony Ericsson: Die Gewinnwarnung von Sony Ericsson für das erste Quartal kommt einem Fehlstart ins das Jahr gleich, in das die Handy-Hersteller ohnehin keine allzu großen Hoffnungen gesetzt haben. Das paritätische Gemeinschaftsunternehmen zwischen der japanischen Elektronikgruppe Sony und dem schwedischen Netzwerkunternehmen Ericsson geht davon aus, dass etwa nur halb so viele Geräte ausgeliefert werden wie in den vorhergehenden drei Monaten und stellt sich auf den dritten Quartalsverlust vor Steuern in Folge ein.

Das Tempo des Niedergangs ist schockierend. Ein kräftiger Abbau der Lagerbestände im Einzelhandel und die schrumpfende Nachfrage seitens der Verbraucher haben die gesamte Branche schwer getroffen. Dabei war Sony Ericsson anfänglich nicht so pessimistisch wie die meisten seiner Konkurrenten. Aber die Firma hat nun eingeräumt, dass das globale Absatzvolumen von Handys im laufenden Jahr um mindestens zehn Prozent auf rund 972 Millionen Geräte sinken wird. Das ist doppelt so negativ wie ihre vorherige Schätzung. Analysten gehen davon aus, dass die Verringerung mit bis zu minus 13 Prozent noch miserabler ausfallen könnte.

Sony Ericsson ist in keiner guten Ausgangslage, um sich für harte Zeiten wappnen zu können. Die größeren Konkurrenten wie LG, Nokia und Samsung arbeiten allesamt noch rentabel und sind zuversichtlich, sich Marktanteile sichern zu können. Eine stärkere Nachfrage aus China könnte Nokia zu einer besseren Entwicklung verhelfen, als sie das Unternehmen noch vor einigen Monaten prognostiziert hatte. Im Gegensatz dazu geht Ericsson nun von einem Verlust vor Steuern im ersten Quartal von bis zu 390 Mill. Euro aus - auch wenn sich die Gruppe aus Preiskämpfen zurückgezogen hat, was sich wiederum negativ auf ihren weltweiten Marktanteil von acht Prozent auswirken wird.

Doch das größte Problem von Sony Ericsson ist, dass das Unternehmen Geld verbrennt, und zwar schnell. Die Quartalsverluste haben seine liquiden Mittel aufgezehrt: Vor über einem Jahr betrug der Geldberg noch netto 2,2 Mrd. Euro, jetzt ist er auf etwa 700 Mill. Euro abgeschmolzen. Wenn das derzeitige Tempo dieses Erosionsprozesses anhält, dann ist das Geld bis zum Ende des dritten Quartals weg. Die Muttergesellschaften können dann ihre Hoffnungen begraben, wieder wie 2008 Dividenden über 770 Mill. Euro zu erhalten.

Tatsächlich erhöht sich mit dem Ungemach von Sony Ericsson die Chance, dass das Joint Venture aufgegeben wird. Sony kommt zwar im Technologie-Bereich in den Genuss von Synergien aus dem Gemeinschaftsunternehmen und könnte vielleicht bereit sein, die Gruppe davor zu bewahren, in denselben Abwärtsstrudel gezogen zu werden wie Motorola. Für Ericsson aber stellen die Handys nur eine Belastung für seinen starken Netzwerkbereich dar. Ericsson steht nun vor der Herausforderung, einen Weg aus der Misere zu finden, bevor das Unternehmen frisches Geld in das Joint Venture stecken muss.

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