Starker Dollar
Schon wieder falsch, Ben

Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, macht den schwachen Dollar für die Inflation verantwortlich. Dabei dürfte eher seine übermäßige Geldschöpfung die Übeltäterin sein. Wenn Bernanke die Teuerung eindämmen will, muss er die Zinsen erhöhen. Eine Analyse.

Der schwache Dollar ist Schuld an der Inflation, sorgt sich Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank Federal Reserve. Dabei ist es wahrscheinlicher, dass die übermäßige Geldschöpfung verantwortlich ist. Denn die Importe machen nur einen relativ kleinen Teil der US-Wirtschaft aus. Und steigende Exporte, die von dem schwachen Dollar unterstützt werden, stützen das reale Wirtschaftswachstum in Amerika.

Natürlich sind die US-Importpreise geklettert, im Jahr zum ersten Quartal 2008 nämlich um 11,3 Prozent. Allerdings belaufen sie sich insgesamt nur auf 17,6 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) und haben daher einen lediglich moderaten Einfluss auf die Teuerung. Und die Einfuhren außerhalb des Ölsektors sind im vergangenen Jahr tatsächlich zurückgegangen. Die immens gestiegenen Preise für Erdölprodukte waren für die meisten Erhöhungen der Einfuhrpreise und - in der Berechnung in Dollar - für ihren gesamten Zuwachs um 7,9 Prozent verantwortlich. Die Öl- und andere Rohstoffpreise hängen in hohem Maß von den globalen monetären Bedingungen ab, die im Schnelltempo gelockert wurden, seitdem die Fed im vergangenen September mit ihren Zinssenkungen begonnen hatte.

Dagegen haben die höheren Exporte des vergangenen Jahres das US-Wirtschaftswachstum beträchtlich angetrieben. Während das reale BIP in den letzten vier Quartalen auf Jahresbasis um 289 Mrd. Dollar - das entspricht relativ blutleeren 2,5 Prozent - zugenommen hat, entfielen ganze 41 Prozent dieser Erhöhung auf die Expansion der realen Ausfuhren. Für einen großen Teil dieses Wachstums war der schwache Dollar verantwortlich. Das Plus um 1,1 Prozent bei den Auftragseingängen im April, das am 3. Juni veröffentlicht worden war, ist viel höher ausgefallen als erwartet und lässt darauf schließen, dass der Exportzuwachs anhält.

Der Versuch, die Währung eines Landes zu stärken, das immer noch ein Zahlungsbilanzdefizit über 700 Mrd. Dollar aufweist, ist wirtschaftlich abwegig und, wie die Erfahrung lehrt, ohne höhere Zinsen unmöglich. Sollte es Bernanke gelingen, die US-Währung zu stützen, ohne die Zinsen anzuheben, wäre der günstige Einfluss auf die Inflation gering, da die Rohstoffpreise so lange weiter steigen würden, so lange die globalen geldpolitischen Bedingungen immer noch auf Expansionskurs liegen. Zudem würde ein stärkerer Dollar die amerikanischen Ausfuhren beeinträchtigen und damit den einen Wirtschaftssektor beschädigen, der sich gut entwickelt.

Wenn Bernanke die Teuerung eindämmen will, muss er die Zinsen erhöhen. Um den Schlag, den der Verbrauch dann wegzustecken hätte, auszugleichen, sollte er den Dollar schwach halten, so dass die Exporte die USA weiterhin mit Wachstum und Arbeitsplätzen versorgen können.

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