Steueraffäre
Doppelangriff bringt Liechtenstein ins Straucheln

Die Reputation des Fürstentums als Bollwerk des Bankgeheimnisses ist schwer angeschlagen seit bekannt wurde, dass Großbritannien, wie zuvor schon Deutschland, den Diebstahl von Kunden- und Kontendetails in Auftrag gab. Die Taktik ist rechtlich vertretbar – und wird dazu führen, dass Steuerflüchtlinge künftig zweimal überlegen.

Als Deutschland bekannt gab, für gestohlene Liechtensteiner Kontodaten von potenziellen Steuerhinterziehern bezahlt zu haben, sprach ein hochrangiger Schweizer Bankbeamter von Methoden der „Gestapo“. Wie jetzt bekannt wurde, scheint Großbritannien ähnliche „Gestapo“-Methoden angewandt zu haben. 100 000 Pfund ließen sich die Briten die Informationen über suspekte Liechtensteiner Konten kosten. Der Gestapo-Vergleich ist grob und kaum zutreffend, aber er charakterisiert die sehr reale Bedrohung, die die aggressive neue Taktik für Europas Steueroasen bedeutet. Es liegt auf der Hand, dass Liechtenstein sich gegen den Doppelangriff wehren wird.

Das Vorgehen Großbritanniens und Deutschlands ist vielleicht unschön, aber legal – und wahrscheinlich auch effektiv.

Polizeibehörden haben weltweit das Recht Informanten zu nutzen, um Straftaten aufzuklären. Die Spitzel werden häufig für ihre Dienste bezahlt. In den Vereinigten Staaten darf das Finanzamt bis zu 30 Prozent der aufgedeckten Steuerschulden an Informanten auszahlen. Mit Steuern im Wert von einigen hundert Millionen Pfund und Euro, die auf dem Spiel stehen, scheinen die deutschen und britischen Behörden ein gutes Geschäft mit ihrem Liechtensteiner Informanten gemacht zu haben. Wie es heißt, haben sie einen Pauschalpreis für die Infomationen ausgehandelt.

Hunderte von Steuerbetrügern in Großbritannien und Deutschland werden nun schwitzend zuhause sitzen und darauf warten, dass die Steuerbehörden an die Tür klopfen. Aber den eigentlichen Schaden wird Liechtenstein zu tragen haben.

Das harte Durchgreifen der Behörden – und die damit verbundene Publicity – wird dazu führen, dass Steuersünder künftig zweimal nachdenken, bevor sie Geld im kleinen Fürstentum parken. Das berühmte Bankgeheimnis ist kompromittiert und Liechtenstein unterliegt jetzt dem Druck, es früheren Steuerhäfen wie Jersey und der Isle of Man gleichzutun und sein Rechtssystem anzupassen.

Bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung kooperiert Liechtenstein mit anderen Ländern, bei Steuerflucht noch nicht. Sie gilt in Liechtenstein bisher nicht als krimineller Akt. Das Fürstentum wird Schwierigkeiten haben, diese Position noch länger aufrechtzuerhalten, es sei denn, es ist bereit Nachteile bei den regulären Geschäftsbeziehungen in Kauf zu nehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%