Telekom-Branche
Der indische Seiltrick

Indem er MTN mit Fremdkapital befrachtet und zusammen mit SingTel eine Spezialgesellschaft für die Übernahme gründet, könnte es Sunil Bharti Mittal gelingen, die 43 Mrd. Dollar schwere südafrikanische Telekomgesellschaft zu kontrollieren und dabei nur wenig von seinem eigenen Kapital aufzuwenden. Ein solches Vorgehen könnte auch die politischen Empfindlichkeiten in Südafrika und Indien beschwichtigen.

Wie schafft man es, ein kleines bisschen Kapital hinlänglich zu strecken - und gleichzeitig politische Empfindlichkeiten in Südafrika und Indien zu beschwichtigen? Vor dieser doppelten Herausforderung steht der indische Telekom-Magnat Sunil Bharti Mittal, der es auf die 43 Mrd. Dollar schwere südafrikanische Telekomgesellschaft MTN abgesehen hat. Seine Antwort scheint in der Kaskadenfinanzierung zu liegen.

Analysiert man die Lage, dann müsste Bharti Telecom, eine seiner Holding-Gesellschaften, wahrscheinlich nur 7,4 Mrd. Dollar aufbringen. Und er selbst wiederum muss vermutlich nur einen Bruchteil dessen dazu beitragen.

Mittals Plan scheint die Gründung einer Spezialgesellschaft für die Übernahme zusammen mit seinem bestehenden Partner Singapore Telecom (SingTel) und den umsichtigen Einsatz von Fremdkapital zu beinhalten. Einzelheiten dazu, wie das Ganze funktionieren soll, sind spärlich gesät. Aber wie es scheint, würde die neue Gesellschaft den südafrikanischen Konkurrenten praktisch kaufen, aber den bestehenden Aktionären eine Minderheitsbeteiligung überlassen. Damit könnte MTN ihre politisch heikle Notierung an der Börse in Johannesburg behalten und dem Black Economic Empowerment-Programm des Landes gerecht werden, das vorsieht, dass ein Viertel des Aktienkapitals für die "schwarzen Bürger" des Staats reserviert wird.

Dagegen würde Bharti Airtel, Mittals indisches Telekom-Geschäft, wahrscheinlich nicht mit MTN fusionieren. Damit würden mögliche Probleme mit den Gesetzen über Auslandsinvestitionen in Indien umgangen, die vorschreiben, dass heimische Telekom-Unternehmen zu 74 Prozent in indischem Besitz bleiben. Mittal könnte immer noch Synergien herstellen, indem er Bharti Airtel und MTN einfach zusammenarbeiten lässt.

Aber wie kann Mittal die Kontrolle mit so wenig Geld erlangen?

Nun, als erstes könnte der Verschuldungsgrad von MTN erhöht werden. Das Unternehmen weist ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) über 5,4 Mrd. Dollar aus, aber nur Verbindlichkeiten über 1,8 Mrd. Dollar. Wenn die Verschuldung auf das Dreifache des Ebitda angehoben werden würde, könnte MTN Barmittel über 14,3 Mrd. Dollar für die bestehenden Aktionäre herausrücken. Wenn man einen Zielpreis der Übernahme von 43 Mrd. Dollar ansetzt, dann würde eine solche Barmittelverteilung den Kaufpreis für Mittal auf 28,6 Mrd. Dollar drücken.

Dann nehmen wir einmal an, 49 Prozent des MTN-Aktienkapitals verbleiben im Handel in Johannesburg. Damit sinkt die Finanzierung, die Mittals Zweckgesellschaft auftreiben muss, auf 14,6 Mrd. Dollar. Und gehen wir zudem davon aus, dass Bharti Telecom 51 Prozent an dem Akquisitionsvehikel übernimmt - und ihr großzügiger Gönner SingTel den Rest -, dann sinkt die Rechnung gar nur auf 7,4 Mrd. Dollar.

Und damit muss die Kaskade noch nicht einmal am Ende angekommen sein. Bahrti Telecom könnte gut in der Lage sein, den Großteil des Geldes auszuleihen, indem das Unternehmen seinen Anteil über 17 Mrd. Dollar an Bharti Airtel als Sicherheit hernimmt. Und selbst wenn Bharti Telecom ihr Kapital erhöhen müsste, müsste Mittal nur 70 Prozent des Kapitals einsetzen, um eine Verwässerung zu vermeiden. Letztendlich könnte es Mittal möglich sein, sein Reich praktisch um das Doppelte auszudehnen und dazu sehr wenig hartes Geld in die Hand zu nehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%