Telekomkonzern BT
Der Holländer fliegt

Ben Verwaayen hat gute Arbeit geleistet, indem er den britschen Telekomkonzern BT, eines der größten Opfer des Technologie-Kollaps, wiederbelebte. Doch in den letzten Monaten zeigten sich Risse in seiner Strategie. Der Nachfolger des Holländers, Ian Livingston, hat viel zu tun, wenn er den Kursabschlag von BT gegenüber den Wettbewerbern verringern will.

Der neue BT-Chef Ian Livingston blickt auf gute Arbeit seines Vorgängers zurück. Ben Verwaayen hauchte in den letzten sechs Jahren dem früheren britischen Telekom-Monopolisten neues Leben ein, nachdem das Unternehmen beim Zusammenbruch des Technologiesektors im Jahr 2000 zu Boden gegangen war. Doch seit dem letzten Sommer sind die BT-Aktien um 30 Prozent gefallen, fast dreimal so schnell wie die Titel europäischer Wettbewerber. Sicherlich ist dies teilweise auf Marktturbulenzen bei der Bewertung des BT-Pensionsfonds zurückzuführen, der die Marktkapitalisierung des Unternehmens um fast das Doppelte übertrifft. Der Kursrückgang reflektiert aber auch Risse in der Strategie Verwaayens, die sich in den letzten Monaten zeigten.

Da wären zunächst Verwaayens Breitband-Pläne. Ohne Mobilfunk, auf den sich die europäischen Wettbewerber zur Steigerung des Umsatzes verlassen konnten, konzentrierte sich der BT-Chef auf das Hochgeschwindigkeits-Internet. Um die Zustimmung der Regulatoren zu seinen Plänen zu bekommen, musste er Konkurrenten Zugang zum BT-Netzwerk gewähren. Infolge dessen holten die Rivalen den Vorsprung von BT ein. In den letzten drei Monaten des Vorjahres installierte BT 177 000 neue Breitbandverbindungen, 30 Prozent weniger als BSkyB. Livingston wird einen Weg finden müssen, die Marktführung wieder herzustellen.

Auch Technologiedienstleistungen - Verwaayens andere große strategische Position – müssen sich erst noch beweisen. Der Eintritt in den spezialisierten Markt für Unternehmens-IT erschien klug, als Internet-Sprachübertragungen das Brot-und-Butter-Geschäft der Telekomfirmen Umsätze kostete. Die Ebitda-Spannen der Global-Services-Sparte von BT liegen aber weit unter der angestrebten Marke von 15 Prozent. Die zweite Herausforderung für Livingston besteht darin, diese Sparte erfolgreicher zu machen.

Livingston kann sich die Lösung der Probleme nicht erkaufen. Einige europäische Wettbewerber investieren kräftig in Glasfasern, die noch höhere Geschwindigkeiten als Breitband erlauben, um sich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Die BT-Verbindlichkeiten sind aber mehr als doppelt so hoch wie das Ebitda, was eine zu weite Öffnung der Geldbörse unmöglich erscheinen lässt. Gegenüber europäischen Wettbewerbern hat sich Goldman Sachs zufolge der Kursbschlag von BT im Verhältnis zum diesjährigen Ebitda auf 13 Prozent ausgeweitet. Livingston wird viel zu tun haben, wenn er diese Lücke schließen will.

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