Telekommunikation
Konsolidierung dank Flaute

Die britische T-Mobile-Tochter der Deutschen Telekom steht zum Verkauf und hat Vodafones Interesse geweckt. Für rund 3 Milliarden britische Pfund könnte Vodafone zum klaren Marktführer werden - vorausgesetzt die Wettbewerbshüter spielen mit. Aber auch die Konkurrenz dürfte profitieren.
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Die britische Mobilfunkindustrie wird T-Mobile nicht vermissen. Die Tochter der Deutschen Telekom ist zu klein, um wirklich zu florieren, aber groß genug, um alle anderen zu ärgern. Jetzt steht sie definitiv zum Verkauf. Auf dem Preisschild stehen um die 3 Milliarden Pfund. Am Markt heißt es, Vodafone, die Nummer zwei der überlaufenen Branche, habe Interesse.

Legt Vodafone tatsächlich ein Angebot auf den Tisch, so würde das darauf hindeuten, dass der Mobilfunkgigant sich erneut auf die reiferen Märkte ausrichten will. In den vergangenen Jahren lag der Fokus des Konzerns eher auf der Schnäppchenjagd nach Anbietern und Lizenzen in Indien, dem Nahen Osten und Afrika. Aber der neue CEO Vittorio Colao spricht schon lange davon, dass ein Markt sich, wo immer sinnvoll, intern konsolidieren muss.

Großbritannien ist ein Paradebeispiel für einen solchen Markt. 5 Netzbetreiber und ein Dutzend Supermärkte sowie andere Einzelhändler ohne eigenes Netz teilen sich das Geschäft. Das Ergebnis: weitaus geringere Gewinnspannen als anderswo in Europa. Die höchsten Margen erwirtschaftet die Telefonica-Tochter O2 mit 26 Prozent. Vodafone kommt auf 22 Prozent und schneidet damit in Großbritannien deutlich schlechter ab als in Deutschland oder Italien, wo die Spannen bei 38 beziehungsweise 43 Prozent liegen - und Vodafone ebenfalls die Nummer 2 ist.

Die Akquisition von T-Mobile UK könnte, nach einigen technischen Kooperations-Abkommen, ganz neue Dynamik bringen. Der Marktanteil von Vodafone würde von 25 Prozent auf 40 Prozent steigen. Der aktuelle Marktführer O2 hat einen Anteil von 25 Prozent, Orange von France Telecom 22 Prozent. Das Schlusslicht bildet Hutchinson Whampoas "3" mit 8 Prozent.

Das Verschwinden von T-Mobile UK könnte zu einer weniger aggressive Preispolitik führen. Nach Schätzungen von Citigroup ist dadurch eine Steigerung der Gewinnspannen um bis zu 5 Prozentpunkte möglich.

Natürlich kann es sein, dass den Wettbewerbsbehörden in London und Brüssel der Vodafone-Konsolidierungsklang - oder vielleicht auch der der anderen Top-Drei-Anbieter - nicht gefällt. Aber eine Lösung tut Not. T-Mobile musste Anfang des Jahres 1,5 Milliarden Pfund abschreiben und 3 UK arbeitet nicht profitabel. Jetzt, wo durch die Wirtschaftsflaute mehr Druck als je auf den Margen lastet, ist der Markt vielleicht endlich reif für diesen Schritt.

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